Warum die leicht überhitzten Börsen einen Einstieg derzeit schwierig machen und welches Handy-Juwel in Taiwan auf Anleger wartet.
Investieren ist zuletzt deutlich schwieriger geworden. Die für heimische Anleger wichtigsten Indizes (ATX, Dax, Dow Jones und Nasdaq) sind allesamt in eine Seitwärtsbewegung mit vergleichsweise starken kurzfristigen Ausschlägen in beide Richtungen übergegangen. Das macht es schwierig, die Richtung, aus der sie aus diesem Seitwärtstrend ausbrechen werden, halbwegs vorauszusagen. Kurzfristig ist da jedenfalls ein wenig Zurückhaltung angesagt.
Charttechnisch sieht der Dax noch am besten aus. Aber der deutsche Leitindex zeigt klare Zeichen von Überhitzung. Leicht möglich, dass es da in nächster Zeit eine „Normalisierung“ geben wird. Die wird dann aber wahrscheinlich wieder Einstiegskurse bieten.
In Österreich haben sich die auffallendsten Ereignisse zuletzt außerhalb des ATX abgespielt: der dramatische Absturz der nun zur Bwin.party (ISIN GI000A0MV757) mutierten und in das Segment „Other Securities“ abgewanderten Glücksspielaktie Bwin. Und der vergleichsweise scharfe Kursanstieg des oberösterreichischen Autozulieferers Polytec.
Die Frage, die sich jetzt offenbar viele stellen: Kann man einsteigen? Hat Bwin.party nach dem Absturz der vergangenen Tage schon Kaufkurse?
Für die Glücksspielaktie kann man das definitiv verneinen. Ganz abgesehen davon, dass im wichtigen deutschen Markt einiges an Troubles auf die Online-Gambler zukommt: Bwin.party ist überbewertet und hat noch einen längeren Weg nach unten. Einige Analysten sehen bei der nun in London notierten Aktie ein Kursziel von 100 Pence. Und das ist doch noch einiges vom derzeitigen Kurs von mehr als 140 Pence entfernt. In Wien notiert das Papier wie gesagt noch dazu im unregulierten Segment. Von diesem lässt man als Privatanleger am besten die Finger: Die Börse weiß schon, wieso sie „Other Securities“ fein säuberlich vom eigentlichen Kurszettel („Aktien-ADCs“ auf der Website) trennt und extra ausweist.
Anders sieht es mit der Polytec (ISIN AT0000A00XX9) aus: Der Autozulieferer ist nach ein paar schwierigen Jahren in die Gewinnzone zurückgekehrt und ist nun fundamental wieder besser aufgestellt. Das gute Jahresergebnis 2010 war erwartet worden, wie der scharfe Kursanstieg (von unter 4,5 auf zuletzt mehr als 7,3 Euro) in den letzten Monaten zeigt. Die technischen Signale stehen bei der Polytec aber noch deutlich auf Grün, man könnte da also noch ein Stückchen des Schwungs mitnehmen.
Ein anderes Großereignis, die erste Aktienemission in Wien seit Langem, ist leider ein bisschen danebengegangen. Die Amag-Emission musste gekürzt werden. Und am ersten Handelstag vergangenen Freitag gab es gleich herbe Verluste, obwohl der Ausgabepreis mit 19 Euro ohnehin am untersten Ende des Preisbandes fixiert worden war. Eigentlich schade: Die Amag (ISIN AT00000AMAG3) ist ein hervorragendes Unternehmen, aber beim Kassemachen hat man da wohl zu tief in die Kiste gegriffen.
Der Tipp: abwarten, bis der Börsenkurs dem Wert des (vor der Emission von den Alteigentümern noch schnell per Sonderdividende ein wenig ausgeräumten) Unternehmens entspricht. Dann könnte das durchaus ein Wert fürs Depot werden.
Kurzfristig lohnt sich für Anleger auf der Suche nach guten Werten ein Blick nach Fernost: Von dort hat uns am Freitag die Nachricht erreicht, dass die Marktkapitalisierung des bei uns bis vor nicht allzu langer Zeit weitgehend unbekannten Handyherstellers HTC (ISIN US40432G2075) erstmals jene der Weltmarktgröße Nokia überschritten hat. Was bei näherem Blick auch kein Wunder ist: Der Kurs von HTC ist in den vergangenen zwölf Monaten um 239,57 Prozent gestiegen, jener von Nokia um 44 Prozent gesunken. HTC ist nun hinter Apple und Samsung bereits der drittgrößte Smartphone-Hersteller der Welt (gemessen an der Kapitalisierung).
Wer wissen will, wie solche Verschiebungen zustande kommen, muss nur einen kurzen Blick in die bunten Prospekte der heimischen Handyanbieter machen: Wo „Smartphone“ drin ist, steht mit zunehmend großer Wahrscheinlichkeit auch hierzulande HTC drauf. Die Taiwanesen sind die großen Gewinner des Siegeszugs des Smartphone-Betriebssystems Android.
Das schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder: Im ersten Quartal hat sich der Gewinn gegenüber dem Vorjahr bei einer Umsatzverdoppelung auf 512 Mio. Dollar verdreifacht. Das Wachstum ist ungebrochen, da kann man noch aufspringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2011)