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Glencore: Größte Schweizer Firma geht an die Börse

Glencore - Der schweigsame Riese will an die Börse
(c) REUTERS (Christian Hartmann)
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Der weltgrößte Rohstoffhändler wickelt Geschäfte rund um den Globus ab. Ein Börsengang soll zwischen 9 und 11 Milliarden Dollar bringen. Das Unternehmen ist mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet.

Das größte Unternehmen der Schweiz, der Rohstoffhändler Glencore, gehört zu den ganz schweigsamen im Lande. Da es sich in Privathand befindet, war dies bisher nicht zu beanstanden. Doch jetzt will Glencore an die Börse. Damit muss der Riese im Schweizer Niedrigsteuerkanton Zug mit einem Jahresumsatz von 145 Milliarden Dollar (100,2 Milliarden Euro) transparenter werden. Das unscheinbar in Baar residierende Unternehmen verdiente im vergangenen Jahr 3,8 Milliarden Dollar.

Zwischen neun und elf Milliarden Dollar solle der Börsengang einbringen, hieß es in Medienberichten. Nach den Experten will Glencore in einem ersten Schritt 20 Prozent der Anteile im Streubesitz platzieren. Damit würde das Unternehmen, das auch der größte Rohstoffhändler der Welt ist, insgesamt mit rund 60 Milliarden Dollar bewertet. Allein der Anteil von rund 24 Prozent an dem in der Schweiz notierten Bergbaukonzern Xstrata soll mehr als 22 Milliarden Dollar wert sein. Für die "Neue Zürcher Zeitung" steht fest, dass Glencore nun ein neues Kapitel aufschlägt. Das 1974 vom Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Vorgänger-Unternehmen wurde vor 20 Jahren in Glencore (Global Energy Commodity and Resources) umbenannt.

Gründer Rich ein "Jahrhunderthändler"

Hintergrund war eine Fehlspekulation, nach der Rich seine Firma aufgeben musste. Sie wurde im Zuge einer klassischen Managerübernahme umgewandelt in ein Partnerschaftsmodell. Der deutsche Rohstoffspezialist Willy Strothotte sprang ein und gab dem Unternehmen den neuen Namen.

Der Journalist Daniel Ammann, der Rich in seinem Buch "King of Oil" beschreibt, spricht von einem "Jahrhundert-Händler", der zusammen mit seinen Partnern das Kartell der Ölmultis zerschlagen habe. Er will Rich nicht als "Ausbeuter der Dritten Welt" sehen, als der er vielfach geschildert wurde. Vielmehr habe der Händler, auf dessen Fundamente sich noch immer das Geschäftsmodell von Glencore gründet, es vielen Ländern erst ermöglicht, ihre Ressourcen selbst zu vermarkten - und nicht mehr von den Multis abhängig zu sein.

Das Unternehmen ist streng hierarchisch aufgebaut, es hat einen inneren Zirkel von etwa 13 Managern. Geleitet wird es von dem geborenen Südafrikaner Ivan Glasenberg. Gehandelt wird mit rund 90 Rohstoffen. Bei den Metallen ist Glencore laut "NZZ" bei Zink, Kupfer, Blei und Aluminium der größte Händler. Aber auch mit Erdöl und Kokskohle sowie Getreide, Baumwolle und Zucker wird gehandelt.

Dabei geht das Geschäft auch über den reinen Handel hinaus. Glencore fördert und transportiert. So gehören dem größten Erdölhändler rund 130 Öltanker, berichtet die Zeitung. Das Unternehmen besitzt Bergwerke und Minen auf allen Kontinenten. Nach Angaben von Glencore arbeiten 2700 Menschen direkt für den Konzern - die meisten in Baar in der Vermarktung der Produkte. In seinem Industriebereich beschäftigt das Unternehmen direkt oder indirekt mehr als 50000 Menschen in 30 Ländern.

(APA/Ag.)