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Österreich verfünffacht Iran-Importe

(c) AP (HASAN SARBAKHSHIAN)
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Trotz Sanktionen laufen die Geschäfte mit dem Iran prächtig. Wie die Statistik Austria dokumentiert, wuchsen die österreichischen Importe aus dem Iran im Vorjahr im Vergleich zu 2009 um satte 397,6 Prozent.

Wien. 2010 war ein eher unangenehmes Jahr für Irans Regime. Um das iranische Atom(waffen)-Programm zu stoppen, verhängte die EU Strafmaßnahmen, die über das bisherige Maß hinausgingen. Vor allem Finanztransaktionen wurden erheblich erschwert. Doch mit Österreich liefen Irans Geschäfte im Jahr 2010 prächtig.

Wie die Statistik Austria dokumentiert, wuchsen die österreichischen Importe aus dem Iran im Vorjahr im Vergleich zu 2009 um satte 397,6 Prozent; die Exporte stiegen, nach Einbrüchen davor, um 6,2 Prozent. Besonders stark nach oben schoss die Einfuhr von „Mineralbrennstoffen und Schmiermittel“, nämlich um 508,9 Prozent. Es floss also beträchtlich mehr iranisches Erdöl nach Österreich als 2009, nämlich exakt 672.000 Tonnen.

Sven Pusswald, Pressesprecher des Mineralölkonzerns OMV, bestätigt gegenüber der „Presse“ die gestiegene Nachfrage nach iranischem Erdöl. Im Vorjahr bezog die Raffinerie Schwechat acht Prozent des Erdöls, das sie verarbeitete, aus dem Iran. Zum Vergleich: Aus Kasachstan kamen 24Prozent, aus Libyen 21 Prozent.

Die OMV verstieß damit gegen keine Sanktionsbestimmungen. Doch den Druck auf Irans Regime erhöhte der Mineralölkonzern auch nicht gerade. Mit dem Geld werde dem Regime ermöglicht, das Atombombenprojekt fortzusetzen, kritisierte Simone Hartmann von „Stop the Bomb“.

OMV-Sprecher Pusswald wiegelte ab: „Operativ (in der Erdölförderung; Anm.) sind wir nicht im Iran tätig, unser Büro in Teheran ist sehr klein.“ Er bekräftigte jedoch, dass die OMV bei der diesjährigen „Iran Oil Show“ Ende April in Teheran mit einem eigenen Stand vor Ort sein werde, als einziger großer Konzern aus der EU übrigens. „Als internationales Energieunternehmen sind wir bei einer solchen Branchenveranstaltung natürlich vertreten“, sagte Pusswald.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2011)