Vertragsverlängerung? Man muss darüber reden!

Drei Jahre sind im Opern-Business eine kurze, vielleicht zu kurze Zeitspanne, attraktive Spielpläne zu erstellen. Ministerin Schmied hat recht.

Zwischentöne

Die Aufregung war groß, als Kulturministerin Schmied in einem Interview über eine Vertragsverlängerung für das amtierende Staatsoper-Direktionsteam nachdachte. Sie kündigte eine Entscheidung für kommendes Jahr an. Und prompt schien Franz Welser-Möst querzuschießen, der die Diskussion für verfrüht hielt und das in einigen Interviews auch breit öffentlich verlauten ließ.

Nun saßen Welser-Möst und Direktor Dominique Meyer, die mancher Kommentator bereits im Streit auseinandergehen sah, im Marmorsaal der Staatsoper nebeneinander und präsentierten einen Spielplan, der sich mit seinen 52 verschiedenen Titeln und vielen Starbesetzungen internationalen sehen lassen kann.

Und auch wenn sogar Dominique Meyer gesprächsweise verlauten ließ, er denke noch nicht darüber nach, was nach den fünf bis dato ausgemachten Staatsopernjahren geschehen werde, ist der Ministerin zu konzedieren, dass es keineswegs zu früh ist, die Verbleibensfrage zu stellen.

Drei Jahre, so hat man wiederholt betont, sind nicht zu lange, um im Opern-Business vorauszuplanen. In Wahrheit werden die Fristen immer länger. Also darf man sehr wohl darüber sprechen, wer Spielpläne für 2015/16 entwerfen soll.

Ein Blick in die kommende Saisonbroschüre lehrt, dass das Duo Meyer/Welser-Möst recht gut begriffen hat, worum es in Wien geht, und wie man dem Haus am Ring seinen internationalen Stellenwert weiterhin sichert: mit musikalischer Qualität und einem Verzicht auf szenische Vergewaltigungen von Meisterwerken. Diesbezüglich muss Wien nicht zu allerletzt noch auf einen verfahrenen Karren aufspringen, wenn weltweit längst zurückgerudert wird.

Der oft gehörte Verweis auf manche allzu kleine Stimmen und schwache Besetzungen in Repertoire-Aufführungen muss allerdings gehört werden. Freilich muss er auch in Relation zu jener Lehrphase gesetzt werden, die einst selbst ein anerkannter Sängerspezialist wie Ioan Holender gebraucht hat. Man blättere in Saisonbroschüren zurück, wie viele diesbezügliche Korrekturen vor zwanzig Jahren vorgenommen wurden...

E-Mails an: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2011)

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