Wien: Sprachprogramme für Migranten

(c) Clemens Fabry

Am 17. Juni sollen die Ergebnisse des Wiener Sprach- und Lesetests vorliegen. Jeder Schüler erhält eine Bewertung seiner Lesefähigkeiten. Parallel dazu setzt Wien auf zusätzliche Deutschkurse auch im Sommer.

Wien/Stu. In vielen Klassen in Wiener Schulen sitzen immer wieder Schüler, die die deutsche Sprache so gut wie gar nicht beherrschen und daher auch politisch für Diskussionen sorgen. Dabei handelt es sich um etwa 3600 Quereinsteiger, also Migrantenkinder, die im Alter von z.B. elf Jahren nach Wien kommen, direkt in das Schulwesen einsteigen und nur bruchstückhaft Deutsch können.

Am Dienstag betonte Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch, dass diese Kinder (sogenannte „Seiteneinsteiger“) elf Stunden pro Woche zusätzlich Sprachunterricht erhalten – neben dem regulären Unterricht. Das betrifft sowohl Volksschulen als auch Haupt- und polytechnische Schulen. Dabei werden die Kinder für die Sprachkurse aus der Klasse genommen. Die bisherigen Erfahrungswerte: Zwei Drittel der Kinder holen die Sprachdefizite innerhalb eines Jahres auf, sodass sie dem Unterricht grundlegend folgen können. Das restliche Drittel der Quereinsteiger holt die Defizite innerhalb eines weiteren Jahres auf. Dafür gibt es in den Volksschulen rund 200 Pädagogen, die rund 2700 Kinder betreuen. In Hauptschulen und polytechnischen Schulen sind 35 Pädagogen tätig, die rund 900 Hauptschüler und 45 Schüler im Polytechnikum betreuen. Dazu gibt es in den Pflichtschulen muttersprachlichen Unterricht in Form einer unverbindlichen Übung.

 

Lesetest für Wiener Schüler

Für die kommenden Sommerferien kündigte Oxonitsch auch eine zusätzliche Sprachförderung an. Das Ferienprojekt „Sowieso mehr! Dein Sommer. Dein Wien“ bietet Kindern zwischen sieben und 14 Jahren wieder die Möglichkeit, in den Ferien am Vormittag Sprachtrainings zu absolvieren, und am Nachmittag sport- bzw. freizeitpädagogische Programme in Anspruch zu nehmen. Damit soll auch spielerisch die deutsche Sprache verbessert werden. Insgesamt stehen im heurigen Sommer 1000 Kursplätze zur Verfügung. „Grundvoraussetzung für Integration, gesellschaftliche Teilhabe und größtmöglichen individuellen Bildungserfolg ist, dass alle Menschen eine gemeinsame Sprache sprechen“, betonte Oxonitsch.

Mit Montag wurden auch die Wiener Sprach- und Lesetests abgeschlossen, die bei der PISA-Wien-Konferenz im Jänner vereinbart wurden. „Mit diesen umfassenden Tests für Wiener Schüler der vierten und achten Schulstufe wollen wir den Schülern eine individuelle Orientierungshilfe geben“, erklärte Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl.

Jeder Schüler erhält damit eine Bewertung seiner Lesefähigkeiten. Auf dieser Basis können die Lehrer individuell bei Schwächen ansetzen – was nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund betrifft. Die Ergebnisse dieser Wiener Lesetests sollen am 17. Juni vorliegen.