Staatsoper: Wiens Opernzukunft heißt Harmonie

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Nach kurzem, medial geschürtem Zwist präsentierten Dominique Meyer und GMD Franz Welser-Möst einen exquisiten Spielplan für ihre zweite Wiener Spielzeit. Was die Geschäfte betrifft, hat Meyer Grund zur Freude.

„Ich bin weder taub noch blind“, quittierte Staatsopern-Direktor Dominique Meyer die Frage nach dem Verbleib der vorgesehenen Premiere von Mozarts „Così fan tutte“. Ursprünglich sollte die heuer begonnene Da-Ponte-Trilogie komplettiert werden. Davon hat Meyer Abstand genommen: Man müsse akzeptieren, wenn Regisseur und Generalmusikdirektor miteinander nicht harmonieren.

Franz Welser-Möst wiederum betonte, wie wichtig ihm das Engagement junger Dirigentenkollegen ist, die den Spielplan der kommenden Saison dominieren. Das verstünde er ebenso unter zukunftsträchtiger Arbeit wie die Einbindung von Dirigenten, die in den Konzerten der Wiener Philharmoniker eine Rolle spielten. Deshalb freue er sich auch, dass in den kommenden Jahren Kollegen wie Simon Rattle, Gustavo Dudamel und andere in der Staatsoper engagiert seien. Von einem zuletzt medial kolportierten Zerwürfnis zwischen Direktor und GMD war keine Rede.

Welser-Möst entwich am Vormittag der Spielplanpressekonferenz vielmehr rasch, um nach seiner Genesung die Orchesterprobe für die heutige „Götterdämmerung“ zu leiten.

In der Spielzeit 2011/12 wird Welser-Möst neben den avisierten Premieren unter anderem auch im Rahmen eines Gastspiels der Staatsoper an der Mailänder Scala Beethovens „Fidelio“ dirigieren. Im Gegenzug kommt das Ensemble der Mailänder Scala unter Daniel Barenboim zur Saisoneröffnung mit einer Aufführung des Verdi-Requiems nach Wien (9.September).

Eröffnung mit Domingo

Placido Domingo wird vernünftigerweise nicht, wie vor Zeiten einmal angedacht, im Rahmen einer Gastspielproduktion, sondern in der Inszenierung von Peter Stein sein Wien-Debüt als Verdis „Simon Boccanegra“ geben (3. und 6.September).

Was die laufenden Geschäfte betrifft, hat Dominique Meyer allen Grund zur Freude: Wie Geschäftsführer Thomas Platzer bestätigen konnte, sind Auslastung und Einnahmen der Staatsoper sogar gegenüber der Sensationsbilanz der letzten Spielzeit Ioan Holenders noch gestiegen. Mit Stichtag 7.April weist das Haus Mehreinnahmen in der Höhe von 2,25 Millionen Euro aus. Bei Opernaufführungen ist die Staatsoper zu 99,7 Prozent ausgelastet.

Die kommende Saison bringt etliche Gastspiele von Spitzenstars. Eine Auswahl: Diana Damrau singt die Lucia und gibt im Rahmen einer neuen Konzertserie (neben Edita Gruberová, Michael Schade oder Thomas Quasthoff) einen Liederabend, Peter Seiffert präsentiert sich unter anderem als Turiddu und Otello, Jonas Kaufmann als Faust. Die Gruberová tritt noch einmal in „Roberto Devereux“ auf, René Fleming singt die „Arabella“. Nur Anna Netrebko kommt erst im Herbst 2012 wieder.

Franz Welser-Möst ist nicht nur als Dirigent, sondern auch als Moderator kulturpolitischer Diskussionen („Positionslichter“) avisiert. Unter anderem geht es etwa vor der „Don Carlos“-Premiere um die Rolle der Kirche als „Freund oder Feind der Kunst“.

Philharmonische Konzertzyklen

Die Musiker der Philharmoniker machen ab sofort im Gobelinsaal Kammermusik. Und die neuen Medien sollen für die Staatsoper mehr als bisher nutzbar gemacht werden. Oper im Kino will man, so Meyer, „nicht der Met überlassen“; Programmhefte kann der Interessent aus dem Internet hochladen – und die Eintrittskarten daheim ausdrucken. Das Kinderprogramm wird verstärkt, unter anderem mit Wagners Jugendoper „Die Feen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.04.2011)

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