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Ungarn: Rechtsradikale patrouillieren in Roma-Viertel

To match feature HUNGARY-ROMA/
(c) REUTERS (Bernadett Szabo)
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200 Mann der offen rassistischen "Bürgerwehr"-Gruppe "Szebb Jövöert" sind seit Montagabend in einer nordungarischen Kleinstadt unterwegs. Als Grund nennen sie die gestiegene Kriminalität.

Die rechtsradikale ungarische "Bürgerwehr"-Gruppe "Szebb Jövöert" marschiert seit Montagabend im Roma-Viertel der nordungarischen Kleinstadt Hajduhadhaza. Die 200 Mann starke uniformierte Gruppe wolle zwei Wochen bleiben, sagte am Dienstag Gergely Rubi, Parlamentsabgeordneter der rechtsradikalen Partei Jobbik, der selbst Mitglied dieser "Bürgerwehr" ist. Den Aufmarsch begründete Rubi nach Angaben der ungarischen Nachrichtenagentur MTI mit der angeblich gestiegenen Kriminalität.

Die "Bürgerwehr"-Mitglieder seien von der Bevölkerung von Hajduhadhaza gut aufgenommen worden, sagte Rubi weiter. Sie würden während ihres "Einsatzes" bei zwölf Familien wohnen und von diesen auch verpflegt. An diesem Sonntag ist eine Großdemonstration der Rechtsradikalen geplant, zu der auch der Jobbik-Vorsitzende Gabor Vona erwartet wird.

Roma-Vertreter beklagten, dass Kinder aus Angst vor den Uniformierten auf der Straße sich nicht mehr auf den Schulweg trauen. Die Vertreter baten die Bürgerwehr-Mitglieder, die Roma nicht zu provozieren und riefen die Kommunalverwaltung auf, gegen deren Präsenz Position zu beziehen.

Bürgermeister Denes Csafordi, ein Mitglied der in Budapest regierenden rechtsnationalen Partei Fidesz, nahm aktuell nicht eindeutig Stellung. Noch Wochen zuvor hatte er öffentlich gegen geplante Märsche von "Szebb Jövöert" in seinem Dorf protestiert.

Nazi-Gruß im Namen

Die offen rassistische "Bürgerwehr", die ihren Namen vom ungarischen Nazi-Gruß "Szebb Jövö" ("Schönere Zukunft") ableitet, war bereits im März nahezu drei Wochen lang durch das zentralungarische Dorf Gyöngyöspata marschiert und hatte dort unter den Roma Angst und Schrecken verbreitet. Der örtliche Jobbik-Vorsitzende hatte sie mit der Begründung gerufen, dass es viele von Roma verübte Diebstähle gegeben habe.

Ungarns Regierung hat mit Blick auf die paramilitärischen Aufmärsche mehrfach versprochen, nicht zulassen zu wollen, dass dem Staat das Gewaltmonopol entgleitet. Konkrete Schritte unternahmen aber weder Regierung noch Polizei.

(Ag.)