Der Pröll-Rücktritt – eine unverhoffte Chance für das „rechtsliberale“ BZÖ .
Analyse
Mausgrau sei die ÖVP unter Michael Spindelegger, das BZÖ die Alternative als „neue bürgerliche Kraft“, tönte gestern BZÖ-Obmann Josef Bucher. In der Tat ist der Rücktritt von Josef Pröll eine Chance für das BZÖ. Schon unter Jörg Haider ist es 2008 gelungen, ins ÖVP-Lager einzudringen. Bucher verstärkte dann die Positionierung Richtung bürgerliche Mitte. Allerdings stand da schon Josef Pröll – ein Sympathieträger über die ÖVP-Grenzen hinaus und als Finanzminister auch vom leistungsbereiten Mittelstand zumindest respektiert.
Doch Pröll ist weg und die ÖVP wieder auf dem Weg zur christlich-sozialen Kernwählerpartei, der Wirtschaftsbund im Eck wie schon lange nicht mehr. Für wirtschaftsliberale Wähler könnte das BZÖ nun also an Attraktivität gewinnen.
Könnte. Denn noch ist das BZÖ mehr modrig als modern. In der Ortstafelfrage etwa überholt man die FPÖ rechts. Und das BZÖ ist auch keine urbane Partei, sondern eine eher rustikale. Mehr Schweizer SVP als deutsche FDP.
Dennoch: Der Pröll-Rücktritt ist eine Chance für das BZÖ. Vielleicht die letzte.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)