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Griechischer Finanzminister zweifelt an Griechenland

(c) AP (THANASSIS STAVRAKIS)
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Eigentlich sollte Griechenland ab 2012 schrittweise auf den Kapitalmarkt zurückkehren. Die Zweifel an diesem Plan werden aber zunehmend größer. Ein Schuldenschnitt für Investoren wird immer wahrscheinlicher.

Wien/Dj/Ag. Heuer ist der griechische Haushalt noch durch das Hilfspaket von EU und IWF abgedeckt. Nächstes Jahr, so die Vereinbarung, sollte Griechenland dann aber schrittweise auf den Anleihenmarkt zurückkehren und sich teils selbst refinanzieren. Bisher wurde dieser Plan vor allem außerhalb Griechenlands als unrealistisch angesehen. Aber nun wachsen auch unter den griechischen Entscheidungsträgern Zweifel.

Der griechische Finanzminister, Giorgos Papakonstantinou, gab sich in einem Interview skeptisch, dass sein Land 2012 wieder auf den Kapitalmarkt zurückkehren kann. Griechenland brauche mehr Zeit, um die Anleger vom Erfolg seiner Reformanstrengungen zu überzeugen. Eine entsprechende Entscheidung könne jedoch nicht vor dem Sommer getroffen werden und auch nicht, bevor die Vereinbarung über das Hilfspaket von EU und IWF für Portugal beschlossen ist, sagte er zur „Financial Times“. Dem Bericht zufolge müsste Griechenland nächstes Jahr zwischen 25 und 30 Mrd. Euro auf dem Kapitalmarkt aufnehmen. Eine Umschuldung werde es nicht geben, so Papakonstantinou.

 

Bis zu 70-prozentiger Haircut?

Die Ratingagentur Standard& Poor's sieht das anders. Sie hält einen Schuldenschnitt von 50 bis 70 Prozent für möglich, berichtet „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe. In EU-Kreisen werde davon ausgegangen, dass 40 bis 50 Prozent der Verbindlichkeiten gestrichen werden müssen.

Griechenland bestreitet solche Pläne zwar vehement, aber die Gerüchte über eine Umschuldung halten sich seit Wochen hartnäckig. Auch der IWF soll sich Berichten zufolge bereits für eine Umschuldung ausgesprochen haben. Der Währungsfonds dementiert das. Unterdessen warnte das EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi vor einer Umschuldung: Eine solche würde das Bankensystem des Landes zu einem großen Teil untergehen lassen und die Wirtschaft in die Knie zwingen. Das würde den sozialen Zusammenhalt und die Aufrechterhaltung der Demokratie in Griechenland infrage stellen, so Smaghi.

Die anhaltenden Spekulationen über einen Schuldenschnitt haben die Zinsen auf zweijährige griechische Staatsanleihen am Donnerstag auf 18,3 Prozent getrieben. Das ist der höchste Wert seit knapp einem Jahr.

Griechenlands Staatsschulden bewegen sich bei einer Quote von 150Prozent der Wirtschaftsleistung. Kürzlich wurde bekannt, dass Athen wohl sein Budgetdefizit nach oben korrigieren wird: Die Neuverschuldung soll voriges Jahr 10,6 Prozent erreicht haben, anstatt wie zunächst angenommen 9,4 Prozent. Die offiziellen Zahlen sollen Ende April veröffentlicht werden. Zum Abbau des Schuldenbergs hat die Regierung ein Privatisierungsprogramm beschlossen, das bis 2015 rund 50 Mrd. Euro in die Staatskasse spülen soll.

 

Arbeitslosigkeit auf Höchststand

Griechenland hat von der EU und dem Internationalen Währungsfonds Zusagen für Hilfskredite im Umfang von 110 Mrd. Euro erhalten. Im Gegenzug hat die Regierung ein Sparpaket geschnürt, mit dem die Neuverschuldung heuer auf 7,4 Prozent gedrückt werden soll. Wie das griechische Statistikamt gestern, Donnerstag, mitteilte, ist die Arbeitslosigkeit im Jänner auf 15,1Prozent gestiegen, nach 14,8 Prozent im Jänner. Das sei der höchste Wert seit Beginn der monatlichen Statistik 2004.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)