Für die Grünen eröffnet der Wechsel an der ÖVP-Spitze neue Möglichkeiten.
Analyse
Für die Grünen ist der Wechsel an der ÖVP-Spitze geradezu ein Geschenk: Dort, wo sie mit der Volkspartei um Wählerstimmen konkurrieren, bei den urbanen bürgerlichen Wählern, ist ihnen der Gegner abhandengekommen. Michael Spindelegger ist ein Signal an die katholische ländliche Klientel der Volkspartei. Vorgänger Josef Pröll hat – obwohl aus dem Bauernbund kommend – viel eher den Eindruck eines vielseitig interessierten Bildungsbürgers erweckt. Auch beim Öko-Thema hat Pröll als ehemaliger Umweltminister den Grünen eher Konkurrenz gemacht. Von Spindelegger ist zumindest bisher kein sonderliches Interesse für diesen Themenbereich bekannt.
Und aus noch einem Grund können sich die Grünen über den Wechsel an der ÖVP-Spitze freuen: Der neue Parteichef kann bei vielen Themen als Reibebaum dienen: Bei dem für die Grünen extrem wichtigen Bildungsthema etwa, bei dem sie Spindelegger als „Bremser“ darstellen werden. War dieser doch schon bisher ein entschiedener Gegner der gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen und ein Verfechter für den Fortbestand des Gymnasiums. Und auch bei gesellschaftspolitischen Themen wie der Homo-Ehe ist Spindelegger, anders als Pröll, einen klar konservativen Kurs gefahren.
martin.fritzl@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)