„Ring“-Finale: Welser-Möst ist wieder da

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bdquoRingldquoFinale WelserMoest wieder(c) AP (Kerstin Joensson)
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Die „Götterdämmerung“ wurde zum umjubelten Comeback des Wiener GMDs nach seiner Erkrankung. Es gab Bravorufe schon vor Beginn und dann steigernd nach jedem Akt.

„Es scheint, dass da noch Missverständnisse geblieben sind“, heißt es in der „Arabella“. Mit der „Götterdämmerung“ sind diese offenbar ausgeräumt. Franz Welser-Möst, Wiens Generalmusikdirektor, hat sich in diversen Interviews vorsichtig abwartend bis kritisch über den bisherigen Verlauf der neuen Staatsopern-Direktionsära und deren Zukunft geäußert. Dann wurde er krank und musste die ersten Vorstellungen der einzigen „Ring des Nibelungen“-Serie dieser Spielzeit absagen.

Adam Fischer, in Bayreuth erprobt, sprang zur hörbaren Zufriedenheit des Publikums ein. Das Finale aber sah den „General“ wieder am Dirigentenpult. Und da gab es Bravorufe schon vor Beginn und dann steigernd nach jedem Akt. Welser-Möst steht wieder dort, wo er hingehört. Er ist mit seiner Autorität und seinem Können ein idealer Musikchef für das Haus am Ring. Das Orchester sieht das offenbar genau so, denn es spielt mit Animo und eminenter Kraftentfaltung. Der „Trauermarsch“ etwa klang schon lange nicht mehr so überwältigend – und „Siegfrieds Rheinfahrt“ gelang im Gegenzug locker-beschwingt, geradezu leichtfüßig. Kaum zu glauben, dass irgendwo in der Welt Opernrepertoire so klingen könnte! Schwer zu glauben auch, dass ein Dirigent sich eine bessere Arbeitsstätte wünschen sollte...

Mit der Vorlage des durchaus ansehnlichen Spielplans seiner zweiten Saison hat das Führungstandem hoffentlich alle internen Uneinigkeiten überwunden und es kann – auf diesem Niveau! – weitergearbeitet werden. In der „Götterdämmerung“ war zu erleben, wie man's macht. Altbewährtes bleibt erhalten – der heute konkurrenzlose Siegfried von Stephen Gould etwa oder die bei allen Sopranschärfen auch nicht leicht zu substituierende, sehr intensiv agierende Brünnhilde von Eva Johansson, der Hagen Eric Halfvarsons oder der mächtig-böse Alberich Thomas Koniecznys.

Manche Stimme, vor allem die von Caroline Wenborne (Gutrune) ist seit der Premierenserie merkbar aufgeblüht. Neue kommen hinzu, klingen bereits achtbar und werden wohl noch wachsen – wie der prägnante Gunther Markus Eiches.

Sensationelle Debüts

Dann gibt es sensationelle Debüts wie jenes von Michaela Schuster, die aus der kurzen Szene der Waltraute einen der spannendsten Momente des Dramas zu formen weiß. Und die erfreuliche Tatsache, dass die beiden Damenterzette in Mixturen aus alten und neuen Kräften jetzt höchst harmonisch und wortdeutlich agieren: Simina Ivan, Sophie Marilley und Zoryana Kushpler sind harmonische Rheintöchter.

Und Nadja Krasteva, Stephanie Houtzeel und Caroline Wenborne sind drei Nornen von eminenter stimmlicher Leuchtkraft, jede für sich ein Charakter. Gemeinsam geleiten sie uns mit Bestimmtheit in die Weltentragödie, indem sie den intensiven philharmonischen Tonfall aufnehmen und ins Vokale wenden.

So beginnen große Musiktheater-Vorstellungen – und hoffentlich eine auch hinter den Kulissen wieder harmonische Wiener Opernzukunft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)

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