Lust hat Lust auf den „Tatort“

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In den Drehpausen zur letzten „Schnell ermittelt“-Staffel lernt Schauspieler Andreas Lust für seine nächste Rolle fischen und rudern. Das macht großen Spaß“, erzählt Lust.

Der Himmel nebelverhangen, der Wind rau, das Wasser trüb. Von dem sommerlichen Idyll ist die Alte Donau an diesem Apriltag noch weit entfernt. Andreas Lust steht auf dem Steg, noch unrasierter als sonst, eine Zigarette in der Hand und blickt auf die Boote, die vor ihm im Wasser treiben. Hier in der Segelschule Hofbauer wird der Schauspieler in den nächsten Wochen, wann immer es die Drehpausen zu „Schnell ermittelt“ erlauben, üben: rudern, eine Holzzille mit Motor steuern.

Denn wenn im Mai die Dreharbeiten zu Florian Flickers „Das Letzte Haus“ beginnen, will Lust möglichst professionell mit Booten umgehen können: Der Wiener (44) spielt einen Fischer, der in der March-Au an der slowakischen Grenze lebt (gedreht wird in den Donauauen bei Tulln) und nebenbei Menschen über die Grenze schmuggelt. Das Fischen lässt sich Lust derzeit in Zwerndorf von zwei Fischern („dem Peppi und dem Gustav“) beibringen. „Das macht großen Spaß“, erzählt Lust, „aber es ist eine riesige Überwindung, dem Fisch zuzusehen, wie er erstickt. Gut möglich, dass ich nach dem Film Vegetarier bin.“

Lust redet viel, es gebe auch viel zu erzählen, sagt er fast rechtfertigend. Zum Beispiel von der vierten Staffel der ORF-Krimiserie „Schnell ermittelt“, für die der Wahlberliner derzeit in Wien, unter anderem in der Pathologie des Wilhelminenspitals, vor der Kamera steht. Für seine Rolle als Gerichtsmediziner Stefan Schnell ist Lust heuer als beliebtester Seriendarsteller für die Romys nominiert, die morgen, Samstag, vergeben werden.

Angst, auf das bei vielen Schauspielern verpönte Seriengenre und diese eine Rolle reduziert zu werden, hat er nicht, sagt Lust. Zum einen, weil er heuer in vier Filmen im Kino und im TV – darunter der Udo-Jürgens-Biografie „Der Mann mit dem Fagott“ – zu sehen sein wird. Zum anderen, „weil es ohnehin die letzte Staffel ist“. Trotz des Erfolgs wird „Schnell ermittelt“ nicht weitergedreht, „und damit kann ich gut leben“, sagt Lust. „Es macht Spaß, aber es soll keine Soko-Ende-nie-Serie werden, die irgendwann nur noch konstruiert wirkt.“

Eigentlich hatte Lust aber für den April ganz andere Pläne: Denn ursprünglich hätte jetzt das Casting für den Natascha-Kampusch-Film stattfinden sollen. Der deutsche Produzent Bernd Eichinger hatte Lust für die Rolle des Entführers Wolfgang Priklopil vorgesehen. Nach dem überraschenden Tod des Produzenten im Jänner lag das Projekt auf Eis, erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Film nun doch gedreht werden soll. Natürlich, sagt Lust, sei er noch immer an der Rolle interessiert, die „eine große Möglichkeit wäre, sich psychologisch zu vergraben“. Und eine ebenso große Herausforderung: „Entweder du machst was Gutes draus, oder du gehst komplett damit baden.“

Und dann beginnt Lust zu philosophieren: Sind manche Menschen von Natur aus böse, oder bringen sie äußere Umständen dazu, schlechte Taten zu begehen? Einen wirklich bösen Menschen, sagt Lust, habe er noch nie dargestellt. „Ich bin immer der Gute. Auch bei den ganzen Kleinganoven und Verlierern, die ich gespielt habe, konnte man immer nachvollziehen, wie die Umstände die Leute dahingebracht haben.“ Beim Räuber etwa in Benjamin Heisenbergs gleichnamigem Film. Jene Rolle, für die Lust bei der Berlinale im Vorjahr Standing Ovations bekam und „dank der sich der deutsche Fernsehmarkt für mich geöffnet hat“. „Der Räuber“ ist eben in den USA angelaufen, „in allen Staaten“, sagt Lust und holt sein iPhone aus der Tasche, auf dem er ein Bild des Filmplakats für den US-Markt gespeichert hat. „Das haben die wirklich gut hinbekommen“, sagt er. Sein Foto in ganz Amerika affichiert – das macht schon stolz, oder? Lust lächelt nur, und irgendwie scheint es, als könne er das selbst noch nicht ganz glauben.

Nach dem „Räuber“ (der auf der wahren Geschichte des Bankräubers „Pumpgun Ronnie“ beruht), dem Gerichtsmediziner Schnell und dem Polizisten im 2009 für den Auslands-Oscar nominierten „Revanche“ hat Lust immer noch nicht genug von Krimirollen. Einen Kommissar würde er gerne spielen, sagt er, der „Tatort“, der würde ihn reizen. „Wenn der Harry Krassnitzer eines Tages müde ist“, sagt Lust, „übernehm ich das sofort.“

Zur Person

Für seine Rolle als Pathologe Stefan Schnell in „Schnell ermittelt“ ist Andreas Lust (44) in der Kategorie „Beliebtester Seriendarsteller“ für eine Romy nominiert (ORF2 überträgt am Samstag ab 21.10 Uhr). Lust wurde für die Hauptrolle im Film „Der Räuber“ im Vorjahr mit dem Diagonale-Preis und heuer mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2011)

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