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Zwei Wienerinnen und der Brit-Chic

Ein junges Modeduo weckt mit seiner Arbeit das Interesse einer großen britischen Ladenkette.

Um sich in der britischen Kreativszene einen Namen zu machen, ist es zwar nicht von Nachteil, wenn man vor Ort ist. Es geht aber auch anders – wenn man den Geschmack wichtiger Entscheidungsträger trifft, und das lässt sich bekanntermaßen heutzutage überall bewerkstelligen. Mit der Aura lässiger Britishness kann sich also auch schmücken, wer in Wien lebt und arbeitet, hier Mode macht, diese dann bei einer Pariser Tradeshow dem Fachpublikum präsentiert und damit den Geschmack einer Einkäuferin für die britische Ladenkette Topshop trifft.

Dieses Kunststück ist vor ein paar Monaten den beiden jungen Designerinnen Lena Krampf und Ida Steixner gelungen, als sie sich zum ersten Mal in der Welthauptstadt der Mode mit ihrem Label meshit zeigten: Der Name ergab sich übrigens vor zwei Jahren, als es so richtig losging (2008 hatten die beiden die Modeschule Hetzendorf abgeschlossen, danach wollten sie lieber gleich zu arbeiten beginnen als noch ein Studium anschließen), aus einer Mischkulanz verschiedener Ansätze von ursprünglich vier Beteiligten. „Mesh it“ also bitte, und keine andere Lesart.

Channel-Crossing. Aber zurück zu Topshop: Selbst wenn es dabei nicht um tausende bestellte Modelle oder gar einen langfristigen Designvertrag für die Handelskette geht (mit solchen Würden werden schließlich nur Stars wie Kate Moss ausgestattet), ist es doch ein schöner Erfolg für meshit, gleich beim ersten internationalen Auftritt in die Programmlinie „Emerge“ aufgenommen zu werden. „Die Order ist spät gekommen, war für unsere jetzige Größe aber umfangreich: acht Modelle wurden geordert, und zwar zu je sechs bis zehn Stück“, erzählt Lena Krampf. Ob das Interesse von Topshop aufrechtbleibt, steht vorerst noch nicht fest. „Ob sie erneut bestellen werden, ist die große Frage. Es geht ja schon darum, junge Labels zu fördern und immer wieder in den Laden zu bringen“, meint Ida Steixner. Durch die Präsenz auf der Topshop-Website, im Online-Shop und dem Oxford-Circus-Flagship-Store ist auf jeden Fall ein gesteigerter Bekanntheitsgrad von meshit zu erwarten. Anfang Mai erfolgt der offizielle Verkaufsstart der meshit-Teile, dann werden die Auswirkungen erst spürbar werden. „Bis jetzt“, sagt Krampf, „haben wir uns wegen Topshop erst in ein paar Blogs entdeckt.“ „Ich bin schon sehr gespannt, wie sich ihre Kollektion verkaufen wird“, bemerkt auch Antonia O'Malley, jene Einkäuferin, die für das „Emerge“-Programm zuständig ist. Grundsätzlich sei man zwar daran interessiert, so viele neue Avantgardemarken wie möglich der Topshop–Klientel zu präsentieren, ein bisschen Kontinuität und die Möglichkeit, das Markenprofil zu schärfen, habe aber auch nicht geschadet. Und das Besondere an meshit? „Das war das erste Label aus Österreich, auf das ich gestoßen bin, bei dem ich das Gefühl hatte, da passiert etwas anderes. Die Teile, die wir ab Mai verkaufen, sind einfach und locker – und haben das gewisse Etwas.“

O'Malleys Einschätzung, meshit sei untypisch für österreichische Mode, teilt auch die Wiener Shopbesitzerin, Netzwerkerin und PR-Agentin Camille Boyer, die gerade an einer Präsentationsplattform für österreichische Mode in Paris arbeitet. Sie führte als eine der Ersten meshit in ihrem Geschäft. „Ihre Kollektion hat sich von Anfang an sehr gut entwickelt, in eine für Österreich eher untypische Richtung: nicht zu intellektuell, ohne große Kopflastigkeit, entspannt, unkompliziert.“

Zielstrebig. Dass Experten, die mit den Gepflogenheiten des Business bestens vertraut sind, den beiden meshit-Designerinnen so freigiebig Rosen streuen, ist wohl Ergebnis der Zielstrebigkeit und Entschlossenheit von Ida Steixner und Lena Krampf. Jung wie sie sind, wird man in Zukunft bestimmt noch von ihnen hören. Vielleicht schon im Juni – da wird nämlich der Modepreis der Stadt Wien 2011 verliehen, für den die beiden nominiert sind. Es muss ja nicht immer London sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2011)