Am 1. Mai wird der frühere Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Tausende Pilger und Sponsoren sollen Geld in die Vatikan-Kassen spülen. Kirchenaustritte und Entschädigungen sind der Kirche teuer gekommen.
Seit Monaten bereitet sich der Vatikan auf die Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. vor - eine Million Pilger werden am 1. Mai, dem Sonntag nach Ostern, in der Ewigen Stadt erwartet. Für den Vatikan hat das Ereignis nicht nur religiöse Bedeutung: Pilger und Sponsoren sollen Geld in die Vatikan-Kassen spülen.
Nach den Missbrauchsskandalen, den damit verbundenen Kirchenaustritten und Entschädigungszahlungen verzeichneten die vatikanischen Finanzen drei Jahre in Folge ein Budgetdefizit. Allein der Verkauf von Souvenirs soll einige Millionen Euro in die Kassen des Vatikan spülen. Anlässlich der Seligsprechung hat die vatikanische Post eine Sonderbriefmarke zu Ehren des 2005 verstorbenen Papstes auf den Markt gebracht. Die vom Vatikan betriebenen Pensionen und Unterkünfte für Pilger sind schon seit Monaten ausgebucht.
Der Heilige Stuhl lockt aber nicht nur Pilger, sondern auch prestigeträchtige Sponsoren an, die mit dem religiösen Großevent gute Geschäfte bzw. gute Werbung machen wollen. Zu den Geldgebern zählen Banken wie die Bank-Austria-Mutter UniCredit, deren Konkurrent Intesa San Paolo, die Energiekonzerne Eni und Enel sowie die Italienische Post. Mit den Spenden sollen nicht nur die Seligsprechung, sondern auch zahlreiche karitative Projekte wie die Renovierung einer Caritas-Suppenküche unweit des römischen Hauptbahnhofes finanziert werden, die Johannes Paul II. gewidmet wird.
Logistische Herausforderung für Rom
Das Großereignis stellt die Stadt Rom vor logistische Herausforderungen. Für die 5000 erwarteten Reisebusse wurde ein Sonderplan entworfen, um Parkplätze rund um die Stadt zu schaffen. Die Fluggesellschaften Air Berlin und Alitalia verdoppeln am Wochenende der Seligsprechung ihre Flugverbindungen nach Rom.
Um den Transport der Pilger zu gewährleisten, fahren römische U-Bahnen und Busse am Wochenende der Seligsprechung außerplanmäßig bis 2 Uhr in der Nacht und nehmen den Verkehr nach einer zweistündigen Pause um 4 Uhr früh wieder auf.
Die Stadt hat ein Budget von 3,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Über 6000 Freiwillige werden im Einsatz sein, um den Pilgern Informationen über die Veranstaltungen zu liefern, die mit der Seligsprechung zusammenhängen. Der Zivilschutz in Rom hat einen Plan für die Aufnahme der Pilger entworfen und orientiert sich dabei an dem organisatorischen System, das 2005 für das Begräbnis von Johannes Paul II. erarbeitet worden war.
Am 18. Mai wird Karol Wojtyla im polnischen Wadowice geboren. Seine Familie hat Beziehungen zum früheren Österreich-Ungarn. Der Vater war Offizier in der k.u.k.-Armee. Karol verliert seine Mutter früh: Sie stirbt, als er neun ist. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Der junge Wojtyla nimmt das Studium der Philosophie und der polnischen Literatur in Krakau auf. Nebenbei betätigt er sich als Schauspieler und Dichter. (c) EPA
Während der Besetzung Polens durch das nationalsozialistische Deutschland studiert er am geheimen Priesterseminar in Krakau Theologie. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Wojtyla wird am 1. November zum Priester geweiht und schließt noch ein zweijähriges Studium an der päpstlichen Universität Angelicum in Rom an.1951Er promoviert über "Glaubensprobleme in den Schriften des Heiligen Johannes vom Kreuz". Neben seiner Tätigkeit als Kaplan in Krakau ist er an der dortigen Universität Assistent. (c) EPA
Übernahme des Lehrstuhls für Moraltheologie an der Katholischen Universität in Lublin. Er bemüht sich um die theologische Erneuerung der katholischen Laienbewegung. (c) EPA
Am 28. September 1958 wird Wojtyla Bischof, am 13. Jänner 1963 Erzbischof von Krakau, und ab 26. Juni 1967 verleiht ihm der damalige Papst Paul VI. die Kardinalswürde.Bild: Mit Papst Paul VI. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Besuch bei seinem Wiener Amtsbruder Franz Kardinal König. (c) EPA
Am 16. Oktober wird Kardinal Wojtyla zum Erstaunen der gesamten Welt zum ersten polnischen Papst überhaupt und zum ersten nichtitalienischen seit 1522 gewählt. Er nimmt im Gedenken an seinen nach nur 33-tägiger Amtszeit verstorbenen Vorgänger Johannes Paul I. den Namen Johannes Paul II. an. (c) EPA
Der neue Papst macht seine erste Auslandsreise in die Dominikanische Republik, nach Mexiko und auf die Bahamas - es folgen 103 weitere.Veröffentlichung seiner ersten Enzyklika "Redemptor hominis" - "Der Erlöser des Menschen". (c) EPA
Johannes Paul II. besucht erstmals als Papst sein Heimatland Polen. Er ermutigt die Polen zur Gründung der freien Gewerkschaftsbewegung "Solidarnosc" und trägt damit erheblich zum politischen Reformprozess in Mittel- und Osteuropa bei.Erste Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. (c) EPA
An den jungen sportlichen Papst knüpften sich viele Hoffnungen. (c) EPA
Er entwickelte auch bald seinen eigenen Stil. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Wichtig war ihm immer der Kontakt zu den einfachen Menschen. (c) EPA
Zahlreiche Reisen führten ihn in die ganze Welt. (c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuters)
Der Papst traf auch Mutter Theresa in Kalkutta. (c) REUTERS (� Reuters Photographer / Reuters)
Treffen mit dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter. (c) EPA
Am 13. Mai wird der Papst bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz vom türkischen Rechtsextremisten Mehmet Ali Agca durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Die Hintergründe des Attentats liegen noch immer im Dunkeln. (c) � Ho New / Reuters
Er überlebte nur knapp, mehrere Operationen folgten. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Den Attentäter Mehmed Ali Agca besuchte er im Gefängnis und verzieh ihm. (c) REUTERS (� Vatican Vatican / Reuters)
Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche seit der Abspaltung der Anglikaner vor 450 Jahren betritt er britischen Boden.Bild: Mit dem Oberhaupt der Anglikaner, Queen Elizabeth II. (c) EPA
Er empfängt den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und seine Frau Nancy im Vatikan. Zwei Jahre später nehmen die USA und der Vatikan nach 117 Jahren wieder diplomatische Beziehungen auf. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
PLO-Chef Jassir Arafat kommt erstmals in den Vatikan. (c) EPA
Johannes Paul II. absolviert seinen ersten Österreich-Besuch. In einer historischen Rede bei der Europa-Vesper auf dem Heldenplatz spricht er davon, dass die Teilung des Kontinents in feindliche Blöcke vermieden werden solle.Bild: Mit Bundespräsident Kirchschläger. (c) EPA
Johannes Paul II. bemüht sich um das gegenseitige Verständnis der Weltreligionen: Er besucht als erstes katholisches Kirchenoberhaupt ein jüdisches Gotteshaus - die Synagoge in Rom.Er lädt führende Vertreter großer Religionen zum ersten Weltgebetstag für den Frieden in die italienische Stadt Assisi. (c) EPA
Zweiter Besuch in Österreich.1989 Als erster und einziger Generalsekretär der KPdSU wird Michail Gorbatschow im Vatikan empfangen. (c) EPA
Der 1632 von der Inquisition verurteilte Astronom Galileo Galilei wird von der katholischen Kirche rehabilitiert. (c) Reuters (� Reuters Photographer / Reuters)
Erstmals seit dem Jahr 1566 erscheint ein neuer "Weltkatechismus". Zuständig für die Redaktion war der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn.Im gleichen Jahr erfolgt die historische Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen Israel und dem Heiligen Stuhl in Jerusalem zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen. (c) EPA
Im apostolischen Schreiben "Ordinatio sacerdotalis" bestätigt der Papst die Haltung der katholischen Kirche, Frauen nicht zur Priesterweihe zuzulassen - und er bezeichnet die Entscheidung als endgültig. Bild: Mit dem polnischen Ex-Präsidenten Lech Walesa und seiner Gattin. (c) EPA
Das US-Nachrichtenmagazin "Time" kürt Johannes Paul II. zum "Mann des Jahres". Gleichzeitig tauchen erste Gerüchte über eine Parkinson-Erkrankung auf. (c) EPA
In Manila nehmen vier Millionen Menschen an einer Papstmesse teil - es ist der größte katholische Gottesdienst in der Geschichte. (c) EPA
Erstmals besucht ein Papst das kommunistische Kuba. Er wird von Langzeit-Staatschef Fidel Castro empfangen. Die Kubaner feiern Johannes Paul II. stürmisch. (c) EPA
Im Dokument "Nachdenken über die Shoa" erkennt der Vatikan die Mitschuld der Christen, nicht jedoch der Kirche, am Holocaust an.Am 21. Juni besucht er ein drittes Mal Österreich und spricht drei Österreicher (darunter Schwester Maria Restituta) selig. (c) EPA
Besuch in Rumänien, erste Reise in ein Land mit orthodoxer Bevölkerungsmehrheit.Zu Weihnachten öffnet der Papst die Heilige Pforte im Petersdom, Beginn des großen Jubiläumsjahres 2000. (c) EPA
Großes "Mea Culpa" für die Verfehlungen der Kirche wie Glaubenskriege, Judenverfolgungen und Inquisition. (c) EPA
Pilgerreise nach Israel, Jordanien und in die Palästinenser-Gebiete. An der Klagemauer in Jerusalem bittet der Papst um Vergebung für das Unrecht, das Juden von Christen zugefügt wurde, er feiert Gottesdienste in Bethlehem und Nazareth. (c) EPA
Im portugiesischen Fatima spricht er zwei der drei Hirtenkinder, denen 1917 die Muttergottes erschienen sein soll, selig; zugleich entstehen Spekulationen über das "dritte Geheimnis von Fatima" - sein Inhalt betreffe einen "weißen Bischof" (den römischen), heißt es. (c) EPA
Pilgerreise nach Griechenland, Syrien und Malta: In Athen entschuldigt er sich für die Verbrechen der Kreuzritter im Jahr 1204. In Damaskus besucht Johannes Paul II. als erster Papst eine Moschee. (c) EPA
Als Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington lädt er Geistliche verschiedener Weltreligionen zu einem gemeinsamen Friedensgebet in die Stadt Assisi. (c) EPA
Wie kaum eine zweite internationale moralische Autorität verurteilt der Papst den amerikanisch-geführten Waffengang gegen den Irak.Ein Dokument der Glaubenskongregation fordert mit Einverständnis des Papstes Gläubige und katholische Politiker zum Widerstand gegen die Ehe von Homosexuellen auf. (c) EPA
Die Ordensgründerin Mutter Teresa wird selig gesprochen. 300.000 Gläubige aus aller Welt feiern auf dem Petersplatz einen Gottesdienst. (c) EPA
Karl I., der letzte österreichische Kaiser, wird selig gesprochen. Unter den Pilgern ist auch der älteste Sohn Karls, Otto von Habsburg. Johannes Paul II. hat während seiner Amtszeit mehr Menschen selig und heilig gesprochen als alle seine Amtsvorgänger zusammen, seine Kanonisierungen waren zum Teil sehr umstritten. (c) EPA
Am 1. Februar wird der Papst mit einer Grippeinfektion und einer akuten Halsentzündung ins Krankenhaus gebracht. Nach neuntägiger Behandlung wird er entlassen.Am 24. Februar wird er wegen eines Grippe-Rückfalls wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Wegen akuter Atemprobleme wird er operiert und bekommt einen Luftröhrenschnitt. (c) EPA
Am 13. März 2005 verlässt der Papst die Klinik, sein Zustand bleibt aber weiterhin besorgniserregend. Am Samstag, dem 2. April, um 21.37 Uhr stirbt Johannes Paul II. (c) EPA
Zu seiner Beerdigung am 8. April pilgern 3,5 Millionen Gläubige nach Rom. (c) Dapd (Filippo Monteforte/AP)
Die "Santo subito"-Rufe der Gläubigen werden nur wenig später erhört: Bereits am 28. Juni 2005 beginnt der Seligsprechungsprozess, der in Rekordzeit abgeschlossen wird. (c) REUTERS (ALESSANDRO BIANCHI)
Am 1. Mai wird Papst Johannes Paul von seinem Nachfolger Benedikt XVI. selig gesprochen. (c) Epa ansa/Epa Ansa Capodanno (Epa Ansa Capodanno)
Stundenlang warteten Pilger vor dem Petersdom, um zum Sarg von Johannes Paul II. zu gelangen. Am Abend kommt er an seinen endgültigen Platz in der Sebastianskapelle im Petersdom.
Jubel und Freudentränen: Mehr als eine Million Menschen kam zur Seligsprechung des 2005 verstorbenen Papstes auf den Petersplatz. Tausende haben für einen guten Platz die Nacht über auf der Straße ausgeharrt.
Ein Papst wird sechs Jahre nach seinem Tod seliggesprochen. Alles, was er getan oder unterlassen hat, löst sich nun in himmlischer Verklärung auf? Übertreibt die katholische Kirche den Heiligenkult?
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