Kunst- und Antiquitätenmesse: Pünktlich zum Start der Osterfestspiele spricht man in der der Salzburger Residenz auch die Kunst- und Kuriositätensammler an – und bietet dabei keineswegs nur Unerschwingliches.
Natürlich ist Egon Schieles „Sitzender Halbakt“, eine Gouache von 1914, das meistbestaunte Exponat der diesjährigen Salzburger Kunst- und Antiquitätenmesse. Es ist auch das teuerste. Knapp eineinhalb Millionen Euro ist das Blatt wert, das Wienerroither & Kohlbacher zur Schau stellen.
Und selbstverständlich finden sich in jenem luxuriösen Segment für Kunstsammler in mancher Koje wunderbare Stücke. Doch versuchen die Veranstalter der Salzburger Messe keineswegs, den internationalen Hochpreis-Messen Konkurrenz zu machen. Das Sympathische an dem Rundgang in den Prunksälen der Salzburger Residenz ist die Vielgestaltigkeit des Angebots. Da ist auch für jene Interessenten etwas dabei, die bestenfalls bereit sind, einen Bruchteil der genannten Summe auszugeben, um ihrer Sammelleidenschaft zu frönen.
Gesammelt wird ja allerhand, nicht nur Gemälde, Skulpturen oder Schmuck und Möbel. Zu den lieb gewordenen Ausstellern der österlichen Zusammenkunft zählt längst Simon Weber-Unger mit den Versatzstücken seines „Wissenschaftlichen Kabinetts“. Er hat heuer eine Kuh mitgebracht, oder besser: das Modell einer Kuh aus Papiermaché und Gips, komplett zerlegbar als Anschauungsobjekt für zoologische Studien.
Willkommenes Aperçu
Dergleichen Kuriositäten – die Kuh schlägt mit 4800 Euro zu Buche – bieten dem Betrachter gleich unter der Marmorstiege des Festsaals immer eine willkommene Abwechslung zu den prächtigen Kunstwerken und den handwerklich oft tatsächlich meisterlichen Geschmeiden, die ringsum zu sehen sind. Weber-Unger hat freilich nebst anschaulichem Lehrmaterial aus vergangenen Tagen auch für Kenner der Militärhistorie eine Trouvaille: eine aus Silber und vergoldeter Bronze geformte Apotheose der k. u. k. Armee mit kleinen Repliken der wichtigsten Feldherrendenkmäler der Donaumonarchie (70.000 Euro).
Eine dralle „Geierwally“
Im Übrigen dominiert die bildende Kunst, mit allem, was seit je Rang und Namen hatte, oder diesen im Zuge der Verkaufspolitik der vergangenen Jahre erworben hat. Alfons Walde (ein schöner und ungewöhnlich farbenprächtiger „Dorfsommer“ bei Runge zum Beispiel) rangiert bei 380.000 Euro. Anton Romako hat man jüngst auf die Überholspur setzen können: Von ihm stammt bei Giese & Schweiger das Konterfei einer drallen Tiroler Jägerin, die von den Ausstellern liebevoll „Geierwally“ getauft wurde (48.000). Jüngeren Datums: Werke von Serge Poliakoff (Galerie Francaise) oder Max Weiler (Thoman), aus zeitlich ferneren Regionen: die edlen Skulpturen und Holzschnittarbeiten bei Senger (Bamberg), voran ein heiliger Achatius von 1480 (38.000).
Die ungleichen Zeitgenossen
Bei den Zeitgenossen darf man unter verschiedensten Charakteren wählen: ob Friedensreich Hundertwasser oder Arnulf Rainer – jeder Geschmack wird befriedigt.
Und was das Begleichen der Rechnung betrifft: Es findet sich auch ein „Zahltisch“ aus den alten Salzburger Hagenauer-Stuben, wie ihn einst Mozart noch gesehen haben könnte. Die massive Steinplatte ist unbestechlich. Sie bewertet akustisch, was aus dem Portemonnaie kommt: Ein silberner Maria-Theresien-Taler zum Beispiel klingt hell und musikalisch. Ein Zwei-Euro-Stück dagegen gibt lediglich einen stumpfen, höchst unsinnlichen Laut von sich . . .
Messe für Kunst und Antiquitäten, Residenz Salzburg (bis 25. April täglich bis 18 Uhr). Eintritt: Tageskarte 13 Euro. Kinderführung am Samstag um 15 Uhr.