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Europas Elitenproblem

Die Euro-Krise stärkt allerorten Populisten. Dem kann man nur mit schmerzhafter Ehrlichkeit beikommen.

Man muss Timo Soini, dem Chef der „Wahren Finnen“ danken: Sein Wahlerfolg trägt dazu bei, dass Europas Regierungen ihren Bürgern reinen Wein über die weiteren Schritte zur Beendigung der Euro-Krise einschenken. Man wird Griechenland den Großteil seiner Schulden erlassen. Möglicherweise auch Portugal, im Gegenzug für harte Reformen. All das hätten Europas etablierte Parteien erklären können; die Menschen sind nicht blöd. Wer aber auf EU-Gipfeln bloß Jubelpropaganda verstreut, darf sich nicht wundern, wenn sich die Bürger den simplen Botschaften der Populisten zuwenden.

Seinen Appell, Finnland dürfe nicht länger „für die Fehler anderer bezahlen“, hätte Soini allerdings besser für sich behalten. Denn Finnland ist zwar Nettozahler, aber auch der größte Profiteur der EU-Agrarförderungen. Subventionen machen dort 118,3 Prozent (!) der Einkommen aus. Sprich: So mancher „wahre Finne“ wäre ohne Geld aus Brüssel arbeitslos.

 

oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2011)