Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Sozialprojekt: Aus für den Würstelstand der Obdachlosen

(c) AP (RONALD ZAK)
  • Drucken

Der selbst betriebene Würstelstand am Johann-Nepomuk-Berger-Platz sollte so etwas wie die Startbasis in ein zweites Leben werden. "Vinzi-Würstel" kostete den Betreiber zu viel Geld. Die zogen nun die Notbremse.

Wien. Vor ziemlich genau einem Jahr startete eine Gruppe Obdachloser mit Hilfe des Grazer „Bettelpfarrers“ Wolfgang Pucher ein ehrgeiziges Projekt: Der selbst betriebene Würstelstand am Johann-Nepomuk-Berger-Platz in Ottakring sollte so etwas wie die Startbasis in ein zweites Leben werden. Nun wurde bekannt, dass das Vorhaben scheiterte. Um nicht selbst in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, gaben die Wiener Vinziwerke den Standort auf.

„Wir haben uns – was die Kosten betrifft – leider verschätzt“, sagt Peter Lamatsch, der unter anderem auch die Obdachloseneinrichtungen „VinziPort“ und „VinziBett“ koordiniert. Soll heißen, dass die 18.000 bis 20.000 Euro monatlich, die das Projekt zuletzt für den Betrieb brauchte, einfach nicht mit dem Verkauf von Frankfurtern einzunehmen waren. 2000 bis 2500 Euro im Monat mussten die Vinziwerke zuschießen, dabei war ursprünglich sogar geplant, mit dem Würstelstand Gewinne zu erwirtschaften und so umgekehrt andere Sozialprojekte zu finanzieren.

Zunächst schienen die Rahmenbedingungen gar nicht so schlecht zu sein. Eine von mehreren Obdachlosen durchgeführte Personenzählung ergab, dass der Standort zwischen den Straßenbahnlinien 2, 9 und 44 selbst in der Nacht für bis zu 500 Passanten pro Stunde gut war. Zudem waren gleich mehrere Wiener Traditionsbetriebe (Staud, Blutaumüller, Radatz, Ramsa-Wolf und Ottakringer) bereit, die engagierte Gruppe mit vergünstigten Lebensmitteln zu beliefern.

 

10.000 Euro für Personal

Und zu Beginn verliefen die Geschäfte auch nicht schlecht. Erst als der öffentliche Hype langsam abflaute, gingen auch die Umsätze zurück. Nur die Fixkosten blieben. Und die waren entsprechend hoch. Ziel des Projekts war es, Obdachlosen eine Fixanstellung zu bieten, um sie so auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorzubereiten. Bis zu fünf Ganz- und eine Teilzeitkraft mussten zu Spitzenzeiten finanziert werden. Inklusive Lohnnebenkosten ein Aufwand von 10.000Euro im Monat, und zwar ausschließlich für Personal.

So kristallisierte sich im Laufe der Monate heraus, dass die ohne öffentliche Förderung auskommenden Vinziwerke ein Projekt wie dieses nicht auf Dauer finanzieren konnten. Immerhin: Drei ehemalige Obdachlose schafften so den Sprung in eine eigene Wohnung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2011)