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Ottakring: Wird Häupls Heimatbezirk grün?

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Für fünf Millionen Euro haben Bezirk und Stadt das Brunnenviertel saniert. Nun sollen weitere Bereiche in Ottakring neu gestaltet werden.

Wien. Ottakring hat wenige Konstanten. Die kennt man aber auch über die Bezirksgrenzen hinaus: etwa die Ottakringer Brauerei oder den wohl prominentesten Bewohner – Michael Häupl. Der Bezirk selbst hat in den vergangenen Jahren mehrere Wandlungen vollzogen. Ottakring hat sich vom eher unattraktiven Arbeiterbezirk mit hohem Ausländeranteil zum multikulturellen Hotspot mit hoher Bobo-Dichte gewandelt – zumindest in Gürtelnähe. In Richtung Wienerwald reiht sich nach wie vor eine noble Villa an die andere. Dort herrschte kein hoher Bedarf an Veränderung. Die Mieten sind hoch, ebenso der Anteil an Grünflächen.

Anders ist das in Gürtelnähe. Dort hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Herzstück der Aufwertung ist das Brunnenviertel. Fünf Millionen Euro haben der Bezirk und die Stadt Wien in die Sanierung des Marktes gesteckt, die im Vorjahr abgeschlossen wurde. „Jetzt wurden durch Sanierungen und Neubauten über 50 Millionen Euro in Bewegung gesetzt“, sagt Bezirksvorsteher Franz Prokop (SP), der seit 2004 für den Bezirk verantwortlich ist. Und da das Projekt Brunnenviertel gut funktioniert – 59.000 Besucher pro Woche zählt der Markt –, will Prokop Ähnliches nun auch an anderen Orten versuchen.

 

Verkehr eindämmen, mehr Räder

Wenn Prokop von den anstehenden Projekten des Bezirkes erzählt, klingt es fast so, als würde da ein Grün- und kein SP-Politiker sprechen. Er wolle die Aufenthaltsqualität verbessern, inklusive Baumpflanzungen und Sitzgelegenheiten, den Verkehr beruhigen, die Zahl der City-Bike-Stationen erhöhen und das Netzwerk zwischen kulturellen Vereinen stärken.

Aktuell ist derzeit ein Aufwertungsprozess der Ottakringer Straße geplant, gemeinsam mit dem Nachbarbezirk Hernals. Die stark befahrene Straße, die die beiden Bezirke voneinander trennt, wirkt nicht gerade einladend. Autos und Lastwagen donnern über die Durchzugsstraße, Überquerungsmöglichkeiten oder gar Sitzgelegenheiten sucht man hier vergeblich. Jetzt sollen die Anrainer Ideen zur Umgestaltung abliefern. 2012 will man, im Anschluss an Bauarbeiten der Fernwärme, mit der Neugestaltung beginnen.

Im Mai soll der ebenfalls unattraktive Schuhmeierplatz aufgewertet werden. Der Taxistand muss einer weiteren City-Bike-Station weichen. Nach den bereits vorhandenen Stationen Hofferplatz und Richard-Wagner-Platz ist das die dritte Station im Bezirk. Eine weitere soll bei der Endstelle der U3 folgen. Auch hier geht es Prokop um „Aufenthaltsqualität“ inklusive mehr Sitzgelegenheiten. Im Herbst soll der neue Platz präsentiert werden.

Etwas länger dürfte hingegen das Projekt Gürtelspange bei der Thaliastraße dauern. Derzeit wird in einer Arbeitsgruppe mit dem siebten und achten Bezirk diskutiert, wie man eine Überquerung für Fußgänger und Radfahrer verbessern kann. Für eine Fahrradanbindung in die Josefstadt bei der Grundsteingasse gibt es laut Prokop eine „Absichtserklärung“.

Am 28.April startet eine weitere Arbeitsgruppe für aktiven Klimaschutz. Ottakring soll somit ein Fair-Trade-Bezirk inklusive Bodenbündnispartnerschaft werden. Für Mai haben Grüne und SPÖ eine gemeinsame Guerilla-Gardening-Aktion in der Hasnerstraße geplant. Ob der Bezirk ein flächendeckendes Parkpickerl erhält, wird derzeit in einer Kommission gemeinsam mit den angrenzenden Bezirken verhandelt. „In Ottakring sind Rot und Grün dafür“, sagt Joachim Kovacs, Klubvorsitzender der Grünen Ottakring.

Das grüne Engagement wird vor allem die sogenannten Bobos, die sich in den schicken Dachausbauten angesiedelt haben, freuen. Die Menschen mit Migrationshintergrund, die hingegen die Wohnungen auf den unteren Stockwerken bewohnen, nehmen gerne die konsumfreien Plätze im öffentlichen Raum wahr.

Was den Anteil der Menschen, die im Ausland geboren wurden oder ausländische Staatsbürger sind, anbelangt, liegt Ottakring übrigens mit 40,3Prozent an fünfter Stelle. Platz eins belegt der 15.Bezirk mit 47Prozent. Der Wien-Schnitt liegt bei 32,8Prozent.

Das wusste auch die FPÖ bei der Wahl 2010 zu nutzen, wenn auch nicht so stark wie in anderen Bezirken. Sie konnte als einzige Partei im Bezirk zulegen – um 8,85 Prozent. Im Wien-Schnitt lag das Plus bei 10,94Prozent.

Auf einen Blick

Ottakring hat 95.084 Einwohner. 40,3Prozent der Bewohner haben eine ausländische Staatsbürgerschaft oder wurden im Ausland geboren und haben mittlerweile eine österreichische Staatsbürgerschaft. Der Bezirk umfasst 8,65 Quadratkilometer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2011)