Töchterle: Uni-Rektor mit grüner Vergangenheit

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Wissenschaftsminister: Der Seitenwechsel könnte dem bisherigen Chef der Universität Innsbruck, Karlheinz Töchterle, zum Stolperstein werden. Mit seinen hochschulpolitischen Positionen war er immer auf ÖVP-Linie.

Wien. Erst im Dezember gratulierte ihm Wissenschaftsministerin Beatrix Karl zur Wiederwahl als Rektor der Uni Innsbruck, nun beerbt Karlheinz Töchterle sie. Der 61-jährige Altphilologe, der seit 2007 an der Spitze der Innsbrucker Uni steht, gilt schon länger als ministrabel. Bereits vor eineinhalb Jahren war der Tiroler als Nachfolger des damaligen VP-Wissenschaftsministers Johannes Hahn im Gespräch – obwohl er bisher nur auf Gemeindeebene aktiv war. Und zwar nicht für die ÖVP, sondern für die Grünen. 15 Jahre lang saß er für die Ökopartei im Gemeinderat seines Heimatorts Telfes im Stubai (übrigens auch die Heimat von ÖH-Chefin Sigrid Maurer); 1994 sollte er sogar in den Landtag einziehen, verzichtete aber auf das Mandat. Seit seiner Wahl zum Uni-Chef ist der „liberale Konservative“, wie ihn Wegbegleiter beschreiben, nicht mehr für die Grünen aktiv, dafür aber im Fokus der ÖVP, konkret von Seniorenbundobmann Andreas Khol, der schon vor Längerem auf ihn aufmerksam machte.

 

Für Studiengebühren

Mit seinen hochschulpolitischen Positionen war er ohnehin immer auf ÖVP-Linie – jedenfalls, was zwei „heiße Eisen“ betrifft: Zugangsbeschränkungen und die Wiedereinführung von (sozial gestaffelten) Studiengebühren. Ins Wissenschaftsministerium bringt Töchterle als Uni-Rektor einen Startvorteil mit: Er weiß, wie der Hase läuft, die Probleme und Bedürfnisse der Unis kennt er bestens. In der Vergangenheit trat er vehement für eine bessere finanzielle Ausstattung der Hochschulen ein; bei den jüngsten Verhandlungen mit dem Ministerium soll der an und für sich als diplomatisch geltende Uni-Chef aus Protest den Verhandlungstisch verlassen haben. Demnächst wird er sich auf der anderen Seite wiederfinden.

Genau das könnte ihm zum Stolperstein werden. Immerhin muss Töchterle als Minister beweisen, wie er die Forderungen, die er selbst als Rektor gestellt hat, umsetzt – oder aber seinen bisherigen Kollegen erklären, warum nicht. Beobachter äußern Zweifel, ob sich der Newcomer gegenüber Maria Fekter und anderen Interessen innerhalb der ÖVP durchsetzen kann; man könne „nur hoffen“, dass er Bedingungen (etwa finanzieller Art) gestellt habe, bevor er den Posten akzeptiert hat.

Ruhen muss in der Zwischenzeit übrigens Töchterles musikalisches Engagement: Die Blasmusikkapelle Telfes muss vorerst ohne ihren Trompeter – der auch passionierter Skitourengeher und Radler ist – auskommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2011)