Rauch: Strassers Stratege ohne Gnade

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ÖVP-Geschäftsführer: Der Tiroler Johannes Rauch wird Michael Spindeleggers Mann in der Parteizentrale. Wie Spindelegger ist Rauch CV-Mitglied. Rauch diente bereits den Niederösterreichern Prokop und Strasser.

Wien. Für parteipolitische Kleinkriege ist der Bundesgeschäftsführer zuständig. Wohl auch deswegen holt sich Michael Spindelegger mit Johannes Rauch jemanden an Bord, der gern auf den Tisch haut. Insbesondere in Wahlkämpfen kennt Rauch keine Gnade vor dem politischen Gegner. Nun kehrt der Politstratege, bis dato Geschäftsführer der Tiroler ÖVP, in die Bundespolitik zurück. Er werde sich bemühen, die Kampagnenfähigkeit der Volkspartei herzustellen, betonte Rauch am Dienstag.

Wie Spindelegger ist Rauch CV-Mitglied. Und Spindelegger ist nicht der erste Niederösterreicher, dem der Tiroler dienen wird. Ausgerechnet der nun ins Zwielicht geratene Ernst Strasser hatte Rauchs Karriere ins Rollen gebracht. Als Strasser als Innenminister zu Besuch in Tirol war, lernte er den bisher unbekannten Rauch kennen– und engagierte ihn im März 2003 als Pressesprecher. Später diente Rauch auch Innenministerin Liese Prokop. Im Rahmen des Innenministeriums-Untersuchungsausschusses wurde später bekannt, dass Rauch auf der Gehaltsliste der niederösterreichischen Versicherung stand. Diese „verlieh“ ihn wiederum ans Innenministerium. Auf diese Weise konnte Rauch als Pressesprecher ein üppiges Gehalt beziehen. Für die als ÖVP-nahe geltende Versicherung direkt hat Rauch nie gearbeitet.

Bereits als Ministersprecher zog Rauch gern im Hintergrund die politischen Fäden. Die von ihm gemanagten Minister kamen in der Öffentlichkeit durchaus gut weg. Der einstige ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel engagierte ihn daher für den Wahlkampf 2006 als Sprecher der Bundespartei. Nach der verlorenen Wahl kehrte Rauch kurz als Vize-Sektionschef ins Innenministerium zurück, um ab 2007 von Tirol aus an der eigenen Politkarriere zu feilen.

 

Konservative Wurzeln

Nun kann der 39-jährige Vater zweier Töchter sich wieder auf dem Wiener Parkett ausleben. Inhaltlich plädierte Rauch immer wieder für eine liberale Öffnung der ÖVP, bei der man aber auf die konservativen Wurzeln nicht vergessen dürfe. Worte, die auch von Rauchs neuem „Chef“ Michael Spindelegger stammen könnten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2011)