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Eurozone wird sich „durchwursteln, bis die Ressourcen aus sind“

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Mojmír Hampl, Vize-Gouverneur der tschechischen Nationalbank, kritisiert das Krisenmanagement der EU in der Eurokrise. Auch mit dem milliardenschweren Rettungsschirm erkaufe sich Brüssel nur wenig Zeit .

Wien/Auer. „Die europäische Währungsunion hat ihre Ziele nicht erreicht“, sagte Mojmír Hampl, Vize-Gouverneur der tschechischen Nationalbank, am Mittwoch in Wien. Der Plan, aus den Euromitgliedsländern prosperierende Volkswirtschaften und aus den Regierungen Sparmeister zu machen, sei jedoch nicht erst mit dem Auffliegen des Schuldendebakels von Athen und Lissabon so grandios gescheitert.

Die aktuelle Krise habe nur einige grundlegende Konstruktionsfehler ans Licht gebracht: „Die Eurozone ist nicht geschaffen für Länder im Aufholprozess“, argumentiert der Notenbanker. Zumindest dann nicht, wenn der Staat eine eigenständige Geldpolitik betreiben kann. Hohes Wirtschaftswachstum, niedrige Inflation und stabile Wechselkurse zur gleichen Zeit könne es einfach nie geben. Tschechien rät er daher ab, der Eurozone in näherer Zukunft beizutreten – selbst wenn es die Stabilitätskriterien kurzfristig erfüllt.

Ansonsten könne er nicht ausschließen, dass Tschechien einmal in ähnliche Probleme schlittere wie die Euro-Sorgenkinder. Viele Mitglieder hätten jedoch alles getan, um vorübergehend gut genug dazustehen, um in den Klub eingelassen zu werden, um gleich darauf wieder hohe Defizite aufzubauen. „Es war einfach, Geld zu leihen wie Deutsche, aber auszugeben wie Griechen“, sagt Hampl. Das Ergebnis ist bekannt. Solide Mitgliedstaaten bezahlen kräftig für Länder, die mit ihrem heutigen Schuldenstand nie den Euro hätten einführen dürften.

 

„Der Haircut wird kommen“

700 Mrd. Euro pumpen die Geberländer in den neuen Rettungsschirm (Europäischer Stabilitätsmechanismus,ESM), der ab 2013 marode Mitglieder auffangen soll. Hampl kritisiert das scharf: „Es ist eine seltsame Idee zu glauben, dass alle Probleme im wirtschaftlichen Universum mit Bail-outs gelöst werden können.“ Historisch habe es nur zwei Auswege für überschuldete Staaten gegeben: die Pleite, extrem hohe Inflation oder beides.

Diese Meinung teilen mittlerweile viele. Da mögen Brüssel und Athen die Vorbereitungen für die Umschuldung noch so sehr dementieren, Investoren preisen den teilweisen Forderungsverzicht längst ein. Für fünfjährige Staatsanleihen bezahlt Athen schon 19,5 Prozent Zinsen. „Jeder, der griechische Anleihen hält, sollte sich auf einen Haircut vorbereiten“, sagt auch Jozef Síkela, Chef der slowenischen Erste-Tochter Slovenska sporitelna. Auch ein Staatsbankrott sei „kein Tabu“.

Hampl sieht für die Eurzone schwarz. Der Notenbanker glaubt nicht daran, dass es Brüssel gelingen werde, Staaten das Sparen zu verordnen. Stattdessen werde die Eurozone „weiterwursteln“ und sich damit Zeit erkaufen – bis die Ressourcen oder der politische Wille erschöpft seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2011)