Die Wiener SPÖ will sich mit Gesiba-Chef Ewald Kirschner im Aufsichtsrat an die Macht "putschen". Statt der notwendigen Entpolitisierung droht dann ein parteipolitischer Grabenkampf.
Wir haben geglaubt, dass die nach dem Skylink-Desaster gescheiter geworden sind“, sagt ein Flughafen-Manager. „Die“ sind die beiden Haupteigentümer Stadt Wien und Land Niederösterreich vulgo SPÖ Wien und ÖVP Niederösterreich. Und der Glaube war falsch: Derzeit versucht die Wiener SPÖ gerade, mit Gesiba-Chef Ewald Kirschner einen ihrer Günstlinge an die Aufsichtsratsspitze zu „putschen“.
Wenn ihr das gelingt (die „Roten“ haben im rein parteipolitisch besetzten Aufsichtsrat der börsenotierten Aktiengesellschaft einen Überhang von zwei Stimmen gegenüber den „Schwarzen“), dann haut Interimsvorstand Christoph Herbst den Hut drauf.
Herbst, der nach dem De-facto-Hinauswurf des Altvorstands vorübergehend vom Aufsichtsratsvorsitz an die Vorstandsspitze gewechselt ist, kehrt nur an die Spitze des Aufsichtsrats zurück. Ist diese „besetzt“, dann wird er sich Ende Mai wohl um die frei werdende Position eines Verfassungsrichters bewerben. Herbst ist zwar auch nicht gerade parteifern – der Pröll-Vertraute ist auf einem ÖVP-Ticket in die Flughafen AG eingezogen. Aber er hat konkrete Vorstellungen zur Bestellung des neuen (wahrscheinlich zweiköpfigen) Vorstands deponiert, der bald ausgeschrieben wird: Es sollen Fachleute sein, die sich mit österreichischen Gepflogenheiten zurechtfinden (immerhin beherrschen Wien und Niederösterreich die Flughafen AG zu 100 Prozent, obwohl sie nur 40 Prozent der Aktien besitzen). Und sie sollten erstmals in der Geschichte des Flughafens nicht „Partei-Appartschiks“ sein.
Von den vorherigen Vorständen Herbert Kaufmann (Arbeiterkammer), Gerhard Schmid (Gemeinde Wien) und Ernest Gabmann (Land Niederösterreich) konnte man das nicht gerade sagen. Besonders über Gabmann, der von Erwin Pröll auf eigenartige Weise in den Vorstand geschickt wurde (Pröll gab die Bestellung vor dem formellen Aufsichtsratsbeschluss bekannt), schütteln die Airport-Leute heute noch den Kopf. Man habe geglaubt, sagt ein Insider, „dass ein ehemaliger Finanzreferent weiß, was ein Vorstand ist“. Bis man gesehen habe, dass Gabmann seine Rolle als „Opposition gegen die beiden Roten im Vorstand“ verstanden habe.
Nach dem Wirbel um den Altvorstand habe es, so Insider, bei den Haupteigentümern die Bereitschaft gegeben, die Personalauswahl in der Chefetage etwas wirtschaftsnäher zu gestalten.
Der gute Vorsatz scheint aber schnell wieder vergessen worden zu sein: Der bevorstehende „Putsch“ im Aufsichtsrat (die entscheidende Sitzung ist für 29. April angesetzt) gilt als Indiz dafür, dass zumindest einer der Haupteigentümer nicht daran denkt, die „Günstlingsversorgungsanstalt“ in Schwechat in ein Unternehmen umzuwandeln, das auch auf Vorstandsebene wie eine börsenotierte Gesellschaft ausschaut.
Pröll will Privatisierung
Immerhin regt Erwin Pröll in einem „Kurier“-Interview an, dass sich die öffentliche Hand aus dem Flughafen „mehr zurückzieht“. Doch die SPÖ Wien zeigt sich skeptisch. Damit wird wohl alles beim Alten blieben, denn Wien und Niederösterreich haben beim Flughafen via Syndikatsvertrag gemeinsames Vorgehen vereinbart.
Auf das Unternehmen kommen also nicht ganz leichte Zeiten zu. Die Flughafen AG ist wirtschaftlich zwar recht gut aufgestellt, man beginnt sich aber Sorgen um die wichtigsten Kunden zu machen: Die Austrian Airlines sind mitten in ihrer Sanierungsphase kalt von der Erdbebenkatastrophe in Japan und den Unruhen in Nahost und Nordafrika erwischt worden. Ein paar der bisher ertragreichsten Strecken – etwa nach Tokio oder nach Damaskus – sind stark eingebrochen. Das wird wohl auf das Ergebnis durchschlagen.
Und die Frage ist, wie AUA-Eigentümer Lufthansa darauf reagiert. Wird Wien „zurückgefahren“, dann hängen die Ausbaupläne in Schwechat – etwa der Bau der dritten Piste – in der Luft. Und der zweitwichtigste Kunde, Air Berlin samt Österreich-Tochter Fly Niki, wird derzeit in Wien stark vom früheren Haupteigentümer Niki Lauda in Schwung gehalten. Wenn sich Lauda, wie absehbar, irgendwann in den nächsten Jahren zurückzieht, könnte das Interesse der Deutschen an Wien erkalten.
Treten diese beiden Ereignisse ein, dann ist immerhin die Gefahr gebannt, dass sich der neue Terminal als unterdimensioniert erweist
Auf einen Blick
Der Flughafen Wien kommt nicht zur Ruhe: Das Land Wien will Gesiba-Chef Ewald Kirschner an die Aufsichtsratsspitze hieven. Dorthin hat aber Interimsvorstandschef Christoph Herbst ein „Rückkehrrecht“. Der Eigentümerstreit kommt zur falschen Zeit: In der kommenden Woche wird der neue Vorstand der AG ausgeschrieben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2011)