Immobiliensuche: Mit dem Smartphone auf Entdeckungstour

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Mit einer neuen Generation von Apps lassen sich Wunschviertel nach freien Wohnungen durchstöbern, Wohnungen einrichten und Visualisierungen am Bau machen. Noch leidet die Technik aber an Kinderkrankheiten.

Als das Immobilienportal immobilien.net im letzten Jahr eine neue „Reality Suche“-Applikation für Smartphones vorstellte, war die Euphorie groß. Von einer „neuen Dimension in der Wohnungssuche“ war da die Rede. Die in Kooperation mit A1 entwickelte Anwendung hat auch etwas für sich: Die für solche Programme üblichen Such- und Filterfunktionen wurden durch eine Live-Funktion erweitert, die die Wohnungssuche im unmittelbaren Umkreis des aktuellen Standortes ermöglicht. Dafür genügt es, die Handykamera auf ein Gebäude oder einen Straßenzug zu richten, und schon werden freie oder zum Verkauf stehende Wohnungen angezeigt – ergänzt durch relevante Informationen wie Preis und Größe, Bilder der Innenräume oder Kontaktdaten des Maklers oder Bauträgers.

Ungenaue Visualisierung

Augmented Reality (AR) nennt sich diese Technologie, bei der ein Objekt identifiziert und die dazugehörigen Informationen automatisch aus einer Datenbank abgerufen werden. Voraussetzung dafür sind GPS-Modul und Kompass des Smartphones. Und hier beginnen in der Praxis die Probleme, weiß Dieter Schmalstieg, Leiter der Abteilung Handheld Augmented Reality am Christian Doppler Labor der Technischen Universität Graz: „Es gibt inzwischen eine ganze Reihe solcher Apps, und alle kranken an der Ungenauigkeit der Virtualisierung. Aufgrund schlechter GPS-Werte, wie sie in dicht verbauten Gegenden oft vorkommen, kann es passieren, dass die Informationen dem Nachbarhaus zugeordnet werden oder sogar die Straßenseite verfehlt wird.“ Verlässliche Informationen würde nur eine echte Bildbearbeitungssoftware gewährleisten, die die Kamerabilder mit einer entsprechenden Bilddatenbank abgleicht, „doch ein solches System ist von einer praktischen Anwendung noch weit entfernt“, so der Experte.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Obwohl sich viele Makler grundsätzlich positiv zur Idee äußern, fürchten sie gleichzeitig um ihr Geschäft. Um eine Immobilie anzeigen zu können, muss sie nämlich für die AR-Anwendung genau verortet sein. „Nur gibt es leider Makler, die sehr vorsichtig sind mit der Bekanntgabe konkreter Adressdaten. Es geht um die Provision – sie haben Angst, dass durch die App ihre Dienstleistung umgangen wird“, bedauert Markus Ertler, Geschäftsführer von immobilien.net.

Bei der Immobilienbörse willhaben.at, an der „Die Presse“ beteiligt ist, geht man daher einen anderen Weg und konzentriert sich stattdessen lieber auf die Optimierung der mobilen Suchplattform: „Damit lassen sich nicht nur bessere Ergebnisse erzielen, sie entspricht auch eher dem breiten Nutzerverhalten“, sagt Geschäftsführerin Sylvia Dellantonio.

Möblierungstool

Wer bereits eine Wohnung hat, der schlägt sich mit anderen Problemen herum, etwa der Einrichtung. Diese Zielgruppe bedient das Münchner IT-Unternehmen metaio mit der 3-D-Einrichtungsplaner-Software „iLiving“. Mit der für das iPhone konzipierten App lassen sich Möbel maßstabsgetreu in ein Foto der Wohnung integrieren und die so eingerichteten Räume aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Besondere Kreativität wird dabei nicht vorausgesetzt: Durch Schütteln des Smartphones kann man die Möbel nach dem Zufallsprinzip von der Software immer neu anordnen lassen.

Für Schmalstieg gehören solche Anwendungen allerdings eher in den Bereich „netter Spielereien“. Eine größere Bedeutung im Bereich Immobilien könnte Augmented-Reality-Anwendungen hingegen künftig direkt am Bau zukommen. „Sie erlaubt Bauherrn oder Planern Vor-Ort-Visualisierungen, die ein großes Kosteneinsparungspotenzial bergen“, meint der Experte. So könnten beispielsweise bei Erweiterungsarbeiten Realzeit-Infos über unterirdische Strukturen wie Strom- oder Wasserleitungen abgerufen und damit eine effizientere und sicherere Bauplanung bei Aushubarbeiten gewährleistet werden. Man kann damit auch den Soll-Haben-Zustand einer Baustelle ermitteln, „der in einem Planungsbüro so detailliert nicht möglich ist“, berichtet Schmalstieg. „Eine Bestandsaufnahme könnte dabei mit Flugdrohnen erfolgen, die mit speziellen Kameras bestückt sind. Die Bilder werden dann über das Planungsmodell gelegt und der Baufortschritt so plastisch dokumentiert.“

Ganz abgeneigt an „Spielereien“ ist man aber auch am Christian Doppler Labor nicht. Derzeit arbeiten die Forscher an einer interaktiven 3-D-Smartphone-Schnitzeljagd für Museen. Hält man sein Handy auf ein Objekt, wird das Bild mit Informationen und Multimedia-Aufgaben angereichert, die zur nächsten Station führen...

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2011)


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