Ferienimmobilien. Ob in Italien, Kroatien oder Ungarn – rund um Österreich warten Urlaubsresidenzen auf Käufer. Wo sich unsere Landsleute am liebsten niederlassen. von Gerda Mackerle
Meeresrauschen statt Verkehrslärm, eine frische Brise vom Berg anstelle feinstaubverschmutzter Stadtluft, grüne Wiesen und Wälder statt einer Umgebung aus grauem Beton. Wer Ferien macht, will raus aus dem Alltag. Das Bedürfnis eines Ortswechsels haben viele. Manchen reicht der alljährliche Urlaub in den Bergen jedoch nicht: Wer ein Feriendomizil sein Eigen nennt, kann öfter in seine Lieblingsgegend fahren. Und ist im Idealfall schon innerhalb von ein paar Autostunden vor Ort. Nahe der österreichischen Grenze residiert es sich um Urlaub besonders komfortabel.
Vorteil: deutschsprachig
Wanderer und Skifahrer fühlen sich in Südtirol wohl, sagt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Re/Max Austria. Ferienimmobilien würden dort vor allem von der „Generation 50 plus“ nachgefragt, beliebte Gegenden sind etwa das Grödnertal und das Hochpustertal. „Einer der Vorteile von Südtirol ist, dass hier viele deutschsprachig sind“, erklärt Reikersdorfer. Das sei für viele ein wichtiges Kriterium, wenn sie sich zum Kauf einer Ferienimmobilie entscheiden. Doch die Preise in Südtirol sind eher hoch: Unter 250.000 Euro ist ein durchschnittliches Ferienhaus kaum zu finden.
Der westliche Nachbar Schweiz ist nur für eine kleine Zielgruppe interessant, meint Reikersdorfer. In St. Moritz und am Zürichsee geht man besser nur dann auf Immobiliensuche, wenn man sich die Preise im Luxussegment leisten kann. Am Zürichsee muss man rund 7000 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch legen. Wer nicht weit bis zu seinem Feriendomizil fahren will, ist auch mit Deutschland gut beraten. Beliebt ist etwa der bayerische Tegernsee. Dort zahlt man bei Wohnungen rund um den See ab 3000 Euro pro Quadratmeter aufwärts.
„Eine Verkehrsanbindung mit dem Auto ist den Österreichern wichtig“, so Reikersdorfer. Dass man schnell am Erholungsort und wieder zurück ist, spielt eine Rolle bei der Wahl der Ferienimmobilie. „Die Nähe ist immer ein Thema“, sagt auch Christine Fuchs-Martschitz, geschäftsführende Gesellschafterin von Fuchs-Martschitz Immobilien. Von Tirol aus ist man in rund drei Stunden am Gardasee: „Viele lieben das Ambiente und das italienische Essen“, sagt die Expertin. Dort locken auch Golfplätze und Vergnügungsparks.
Keine Spur von Langeweile
„Die Städte rund um den See sind voll mit Sehenswürdigkeiten. Dort wird einem nicht langweilig“, sagt Fuchs-Martschitz. Verona ist nur einen Katzensprung entfernt. Wer es gern ausgefallener hat, kann zum Beispiel eines der alten Steinhäuser in der Nähe des Gardasees erwerben: Die sogenannten Rusticos bekommt man ab 500.000 Euro – um diesen Preis sind sie allerdings noch in renovierungsbedürftigem Zustand. Bei Apartments am Gardasee muss man mit einem Preis ab 4000 Euro pro Quadratmeter rechnen, schätzt Fuchs-Martschitz.
Auch das Meer ist nicht so weit entfernt: Von Ostösterreich aus fährt man mit dem Auto rund sechs Stunden und ist an der kroatischen Küste, ab Kärnten ist man noch schneller am Ziel. „Kroatien hat sicher dadurch gewonnen, dass die Autobahn ausgebaut wurde“, sagt Reikersdorfer. Dort hat man die Küste, das Meer und die reizvolle Architektur von Kleinstädten wie Pula und Split. In Dubrovnik zahlt man mindestens 3500 Euro pro Quadratmeter. Das ist allerdings eine der teuersten Städte Kroatiens. Wer gern etwas abgeschiedener Urlaub macht, lässt sich auf einer der Inseln – etwa Krk oder Lošinj – nieder.
Ein weiteres Argument: „In Kroatien sprechen viele Deutsch“, erläutert Fuchs-Martschitz. Die Kvarner Bucht ist auch ein beliebtes Plätzchen: Zur Zeit der k. u k. Monarchie kamen viele Österreicher hierher zur Erholung. Daher gibt es noch viele historische Gebäude aus der Zeit der Monarchie, etwa in der Stadt Opatija. Für Wohnungen in der Kvarner Bucht muss man mit 2000 bis 4000 Euro pro Quadratmeter rechnen.
Möchte man zwar ein Ferienhaus am Wasser, aber nicht ganz so lange fahren, ist man am ungarischen Plattensee gut aufgehoben. Von Wien ist er nur zweieinhalb Autostunden entfernt. Ein kleines Haus an der Nordseite des Sees bekommt man zwischen 120.000 bis 150.000 Euro, weiß Karl Fichtinger, Geschäftsführer von Immo-Contract. Liebhaber weitläufiger Landstriche können Häuser in der ungarischen Puszta ab 45.000 Euro erstehen.
Hat man ein Domizil erworben, ist man nicht immer vor Ort. Da ist es beruhigend, wenn jemand auf den Zweitwohnsitz schaut. „Eine Ferienimmobilie sollte in einer geschlossenen Anlage sein“, meint Fichtinger. Mit Hausmeister und Sicherheitsservice fühle man sich wohler.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2011)