Warum dividendenstarke Aktien derzeit Anleihen schlagen und Apple sich wieder auf den Weg nach oben gemacht hat. Der Computerkonzern hat diese Woche ein Super-Quartalsergebnis vorgelegt,
Die Berichtsaison ist in den USA nun so richtig in Schwung gekommen – und mit ihr auch die Aktienkurse. Denn vor allem die Technologie-Blue-Chips sind weiterhin hervorragend am Verdienen. Beispielsweise Apple(ISIN US0378331005): Der Computerkonzern hat diese Woche ein Super-Quartalsergebnis vorgelegt und auch kursmäßig entsprechend zugelegt. Damit dürfte die Kursschwäche, die Apple-Aktionäre in den vergangenen Wochen genervt hat, fürs Erste wohl wieder vorbei sein.
Allerdings sollten die jüngsten guten Ergebnisse nicht dazu verleiten, unkritisch und großflächig in den Markt einzusteigen. So stabil sind die Märkte derzeit nicht. Vor allem dürfte zumindest auf breiter Basis das Aufwärtspotenzial langsam „ausrinnen“. Die Aktienkurse sind seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nämlich sehr stark gestiegen und haben eine Wirtschaftsentwicklung vorweggenommen, die so nicht eingetreten ist.
Im Gegenteil: Die Hauptursachen, die zur Finanzkrise geführt haben, sind nicht beseitigt, die Bankenprobleme nur durch Unmengen von Zentralbankgeld zugedeckt und die Euro-Schuldenkrise treibt – wie die starke Ausweitung der Risikoaufschläge für Staatsanleihen der Problemländer zeigt – von Höhepunkt zu Höhepunkt. Die jüngsten Anleihe-Spreads für griechische Papiere deuten jedenfalls darauf hin, dass der Markt eine Umschuldung zumindest in Griechenland nicht mehr allzu weit entfernt sieht.
Dafür müssen sich Anleger wappnen. Denn eine solche Maßnahme wird zumindest vorübergehend auch die Börsen treffen. Dass der Euro in so einer Situation gegenüber dem Dollar steigt und steigt, ist wohl eher ein beunruhigendes Zeichen: Heißt es doch, dass der immer noch wichtigste Wirtschaftsraum des Globus nach Ansicht der Märkte mit größeren Problemen kämpft.
Anleger haben in dieser Situation zwei Möglichkeiten: Entweder sie betreiben sehr intensiv Stockpicking, engagieren sich sehr kurzfristig und managen ihr Portfolio sehr aktiv. Das kostet freilich Zeit.
Oder sie ziehen sich auf eine sehr konservative Strategie zurück, die sich im Wesentlichen auf Kapitalerhaltung konzentriert. Das hat man bisher mit Staatsanleihen gemacht, was angesichts der Schuldenkrise aber keine Option mehr ist: Entweder die Anleiherenditen decken netto (nach Steuern und Spesen) nicht einmal mehr die Inflation ab. Oder man bekommt ordentliche Zinsen – und begibt sich in Gefahr, Opfer eines „Haircut“ zu werden. Die richtige Strategie für sehr konservative Anleger hat ein Vermögensverwalter im Gespräch mit der „Presse“ kürzlich so beschrieben: „Aktien von Nestlé(ISIN CH0038863350) statt Anleihen von Spanien.“
Der Hintergedanke: Man kauft Aktien von großen, seriösen Unternehmen, die vergleichsweise hohe Dividenden ausschütten. Und lebt die nächsten Jahre dann von der Dividende. Kursschwankungen interessieren einen da weniger – außer man braucht das Geld dringend und muss die Papiere auf den Markt werfen. Dazu eigenen sich große Konsumgüter- und Nahrungsmittelkonzerne wie etwa Nestlé oder Coca-Cola(ISIN US1912161007), aber auch Telekomaktien mit sehr hoher Dividendenrendite wie etwa Deutsche Telekom(ISIN DE0005557508) oder Telekom Austria(ISIN AT0000720008).
Wer es etwas riskanter liebt und zwischendurch auch richtig Geld verdienen will, findet natürlich auch immer etwas. Derzeit vorwiegend im Technologiebereich. In Deutschland könnte man da beispielsweise auf die in der „Presse am Sonntag“ schon mehrfach empfohlene, in den vergangenen Wochen aber etwas niedergeprügelte Aktie von Dialog Semiconductor(ISIN GB0059822006) setzen. Die profitiert als Zulieferer vom wieder aufgeflammten Apple-Boom und hat ein paar neue Smartphone-Kunden gewonnen. Die Kursziele der Analysten reichen derzeit bis 23 Euro, was bei einem aktuellen Kurs von knapp 15 Euro reichlich Platz nach oben lässt. Die Sache ist allerdings ein wenig spekulativ: Dialog veröffentlicht seine Quartalszahlen am 4. Mai. Wer vorher einsteigt, profitiert bei (von Analysten erwarteten) positiven Überraschungen, hat aber Pech, wenn die Analystenzunft falsch liegt.
Sehr stark im Aufwind ist derzeit auch der TecDAX-Wert Fuchs Petrolub(ISIN DE0005790430) – auch wenn die Aktie mit einer Kursvervierfachung seit 2009 schon ziemlich weit gelaufen ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2011)