Bill Callahan: Der Gärtner und die Endlichkeit

Bill Callahan Gaertner Endlichkeit
Bill Callahan Gaertner Endlichkeit(c) rough trade
  • Drucken

Der Geheimnisvolle: Bill Callahan, geb. 1966 in Silver Springs, USA, begann unter dem Namen "Smog" als Vertreter der LO-Fi-Bewegung. Sein neues Album heißt "Apocalypse".

»Baby's Breath«. Wie der Atem eines Babys auf einem Spiegel, so sieht die Pflanze aus, über die Bill Callahan seine Meditation beginnt – langsam zuerst, die Schlüsselworte auf schroffen Halbtonschritten abwärts gesungen. Dann wird es schneller, ein junges Mädchen bei einer Hochzeit kommt ins Bild, sie hat „baby's breath“ im Haar – und ihr Gesicht, singt Callahan mit sonorem Bariton, wird nur einen Tag bleiben, bevor es sich zu Heu verwandelt. „Alles Fleisch ist wie Gras“: Man fühlt sich an die Worte des Jesaja (40,6) erinnert, hier und dort geht es um Vergänglichkeit. „Each day I looked out on the lawn, and I wondered what all was gone“, sinniert Callahan, „until I saw it was lucky me.“ Am Ende ist er ein hilfloser Gärtner, der seinem Baby nachtrauert. Letzte Worte: „Now I know you must reap what you sow or sing.“ Schön seltsam, seltsam schön.

Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 und 14.30 Uhr auf FM4. Weitere

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2011)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.