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Führungskraft: Mit 20 Stunden in die Chefetage

Teilzeit Fuehrungskraft Stunden Chefetage
Symbolbild(c) Bilderbox
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Viel Selbstdisziplin, ein unterstützender Arbeitgeber, eine realistische Planung der Arbeitsstunden: All das ist nötig, um als Führungskraft Teilzeit zu arbeiten. Doch dann funktioniert es.

Eine 60-Stunden-Woche, arbeiten am Wochenende, ständige Erreichbarkeit via Handy und E-Mail – dieses Bild entsteht in den meisten Köpfen, wenn sie „Manager“ hören. Dass eine Führungsaufgabe in Teilzeit zu erledigen ist, daran glauben die meisten im Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) vereinten Spitzenkräfte nicht: Etwa drei Viertel begreifen eine Teilzeitposition im Management als „Karrierebremse“, ergab eine Studie im Vorjahr. In Deutschland unternimmt die Politik nun erste Versuche, gegenzusteuern: Es müsse möglich sein, mit einer 30-Stunden-Woche eine Führungsposition zu besetzen, forderte die deutsche Familienministerin Kristina Schröder in der Vorwoche.

In Österreich bieten 38 Prozent der Firmen dieses Arbeitszeitmodell an, geht aus der WdF-Studie hervor. In die Befragung wurden jedoch nur die rund 400 Mitglieder des WdF einbezogen. Darüber hinaus sind es vor allem internationale Konzerne, die entsprechende Rahmenbedingungen anbieten. Und es scheint zu funktionieren.

Zum Beispiel bei Radka Kvasnica: Sie ist Abteilungsleiterin einer Analyseabteilung beim Versicherungskonzern Allianz. Seit November arbeitet sie 30 Stunden, einige Aufgaben hat sie an ihre Mitarbeiter delegiert. „Ich lasse sie mehr in den Vordergrund“, sagt Kvasnica. Dadurch werde der Job als Führungskraft mit weniger Stunden durchführbar.

An den Vormittagen sitzt die Mutter eines knapp zweijährigen Sohnes am großflächigen Schreibtisch in der Mitte ihres Großraumbüros. Da steht sie ihren fünf Mitarbeitern zur Seite und geht zu Meetings mit ihren Abteilungsleiterkollegen. An den Nachmittagen braucht sie manchmal Disziplin, um sich an ihren Heimarbeitsplatz zu setzen. Denn wenn ihr Sohn friedlich schläft, ist die Versuchung groß, auch selbst ein Schläfchen einzulegen: „In der Nacht bekomme ich nicht so viel Schlaf.“


Vertretungen als Unterstützung.
Es sei die Entscheidung ihres direkten Vorgesetzten gewesen, sie als Teilzeitführungskraft in der Firma zu halten, sagt Kvasnica. Er stehe hinter ihr und treffe in Notfällen auch Entscheidungen, die in ihren Bereich fallen. Beim Möbelhaus Ikea gibt es für jede Führungskraft – ob Teilzeit oder Vollzeit – ohnehin einen Stellvertreter, sagt Personal-Chefin Michaela Foissner-Riegler.

„Es ist eine reine Sache der Organisation“, sagt Alexandra Eichinger, die bei Ikea für das Projekt „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ verantwortlich ist. Gewisse Aufgaben müssten delegiert, für manche Bereiche ein Stellvertreter gesucht werden. Und die zu arbeitenden Stunden müssten vor allem „sehr realistisch geplant“ werden.

Ikea beschäftigt 13 Teilzeitführungskräfte. Eine davon ist die Verkaufsmanagerin Tanja Buratti, die für den Bereich „Children's Ikea“ verantwortlich ist. Ihr unterstellt sind die lokal für den Bereich zuständigen Mitarbeiter in den sieben österreichischen Filialen des Einrichtungshauses. Auch Buratti arbeitet Teilzeit, 20 Stunden pro Woche. Befürchtungen, eine Teilzeitführungsposition führe zu Teilzeitbezahlung bei Vollzeitbeschäftigung, tritt sie gelassen gegenüber.

Summa summarum bleibe es bei den 20 Stunden. „Man lernt, sich noch besser und effizienter zu organisieren“, sagt Buratti. Sie könne sich ihre Termine selbst einteilen und wisse, wann sie mehr Zeit investieren müsse und wann weniger. „Das Ding ist: Du musst stopp sagen können“, sagt auch Claudia Schram-Jansen, Personalmanagerin bei der Österreich-Tochter des Technologiekonzerns IBM. Sie hat zwei Kinder, führt acht Mitarbeiter und arbeitet 25 Stunden in der Woche. Bevor sie ihren Job begonnen hat, hat sie gemeinsam mit ihren Chefs ihren Aufgabenbereich analysiert. Dabei haben sich Bereiche herauskristallisiert, auf die sie heute Schwerpunkte legt.

Stellvertreter hat sie keinen. Die Teilzeitführungspositionen bei IBM seien so angelegt, dass sie innerhalb der vereinbarten Zeit zu schaffen sind, sagt Sprecher Georg Haberl. Der Konzern müsse bei Spitzenpositionen stets von Neuem ausprobieren, ob sie sich in Teilzeit erfüllen lassen. Für die Position der Generaldirektorin oder der Mitglieder der Geschäftsleitung vermute er das nicht. „Wenn's nicht geht, dann wird's auch nicht gemacht.“

Für die Firmen geht es in erster Linie darum, Mitarbeiter mit Know-how an sich zu binden. Eine Führungskraft, in deren Ausbildung die Allianz viel Geld investiert habe, wolle man nicht so einfach gehen lassen, sagt Personalchef Norbert Dörner. Hervorgehoben werden von Personalmanagern auch die Vorteile, die Teilzeitarbeit generell mit sich bringt. „Eine Teilzeitkraft ist sicher überproportional produktiv, in der Zeit, in der sie uns zur Verfügung steht“, sagt Dörner.

Eine Teilzeitführungskraft kommt Unternehmen auch nicht teurer: Bezüge werden aliquot ausbezahlt. Zusätzlich fallen bei Teilzeitarbeit keine höheren Kosten an. Außer vielleicht höhere Schulungs- und Ausbildungskosten, wenn mehr Mitarbeiter Teilzeit beschäftigt sind, heißt es aus der Personalabteilung von Ikea.

Schweden als Vorzeigeland? Relativ schlechter gestellt sind Firmen hingegen, wenn der Teilzeitmanager bei Vollbeschäftigung mehr als 4200 Euro brutto verdient hat und mit der Teilzeitarbeit auf oder unter diese Grenze fällt. Bis zur Höchstbeitragsgrundlage für Sozialversicherungsbeiträge werden die Arbeitgeberbeiträge nämlich aliquot mit 21,3 Prozent vom Bruttobezug berechnet. Darüber hinaus muss das Unternehmen für den über 4200 Euro hinausgehenden Gehaltsteil gar nichts zahlen.

Im internationalen Vergleich wird Schweden oft als Vorzeigeland für flexible Arbeitszeiten genannt. Doch ganz so ist das nicht. Nur 1,2 Prozent der schwedischen Manager arbeiten Teilzeit, bei den Managerinnen sind es immerhin 5,3 Prozent, heißt es beim lokalen Führungskräfteverband Ledarna.

Klara Adolphson, zuständig für das Thema Gleichberechtigung, klärt auf: Die Schweden arbeiten nicht länger. Sie haben nur kinderfreundlichere Kernarbeitszeiten. „Meetings werden bei uns grundsätzlich zwischen neun Uhr morgens und drei Uhr nachmittags angesetzt“, sagt Adolphson. Vor neun Uhr könnten Eltern ihre Kinder im Kindergarten abliefern, nach drei Uhr rechtzeitig wieder abholen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2011)