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GAK: Aus Schaden wird man klug

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ David Rodriguez)
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Der ehemalige Meister GAK klopft nach drei Insolvenzen als Seriensieger in der Regionalliga Mitte wieder beim Oberhaus an. Ein Vater des Erfolgs: Peter Stöger, der den Grazer Verein seit November trainiert.

Das prominenteste Mannschaftsmitglied steht in der Coachingzone. 65-mal trug es das Nationalteamtrikot, gewann mit Austria und Rapid vier Meistertitel – jetzt ist Peter Stöger in der Regionalliga Mitte gelandet. Seit November trainiert er den GAK. „Eine reizvolle Aufgabe, der Verein hat einen Namen und gute Strukturen“, begründet er sein Engagement im Unterhaus. Mit bedächtigen Handbewegungen mahnt der ehemalige Mittelfeldregisseur seine Schützlinge auf dem Spielfeld zu Ruhe. Meist aber dirigiert er sie nach vorn. „Ich will mithelfen, den nächsten Schritt Richtung Zukunft zu machen“, sagt Stöger.
Ziel ist die Qualifikation für die Relegationsspiele um den Aufstieg in die Erste Liga. Die Situation ist komplex: Zum einen darf das drittplatzierte Farm-Team des Lask nach neuem Reglement nicht aufsteigen, zum anderen würden „Marktbegleiter“ (Zitat GAK-Homepage) wie Allerheiligen auf den Aufstieg verzichten. Das kann man allerdings nur als Meister.
Auf all diese Spielereien will man sich beim GAK erst gar nicht einlassen. Die Chancen, es aus eigener Kraft zu schaffen, stehen nach der jüngsten Erfolgsserie nicht schlecht. 21 Punkte aus den letzten sieben Spielen – ergibt sieben Runden vor Schluss den zweiten Tabellenplatz.

Bescheidenheit nach drei Pleiten


Im VIP-Klub erinnert ein eher lieblos zwischen Buffet und WC aufgestellter Werbebanner an die gute alte Zeit: Meistertitel 2004, Supercupsiege 2000 und 2002, Cupsieger 1981, 2000, 2002 und 2004. Der Erfolgslauf nach der Jahrtausendwende war teuer erkauft. Zu teuer. Nach dem Vizemeistertitel 2005 ging es schnell. Bergab. Vor dem Konkursrichter legte man drei Insolvenzen en suite hin. Auch das ist Rekord im heimischen Fußball.
Mittlerweile ist Bescheidenheit eingekehrt. Schulden werde man keine mehr machen, beteuert der seit vergangenem August amtierende Präsident Benedikt Bittmann. Um Ordner- und Reinigungskosten zu sparen, ist in der UPC-Arena immer nur eine Hälfte des Tribünenovals offen. „Wir dürfen uns finanziell nichts mehr erlauben“, weiß auch Stöger. Im Fall eines Aufstiegs wird mit einem Budget von 1,8 Millionen Euro kalkuliert. „Es gibt 300.000 Euro Fernsehgelder, dazu haben wir vorsichtig mit mehr Zuschauern geplant“, sagt Bittmann. Die Erste Liga sei „leichter“ finanzierbar, glaubt er, weil es zugkräftigere Gegner gibt und es sich um eine echte Profiliga handelt – „wo der GAK hingehört“, betont der Präsident. Er glaubt, dass auch die Bundesliga die Grazer gern wieder mit dabei hätte: „Weil wir ein Traditionsklub und Zuschauermagnet sind, zum Unterschied zu manchem Dorfklub in den höheren Divisionen.“ Namen nennt er keine. Der Stadionsprecher tat dies kürzlich schon. Bei der Durchsage eines Zwischenstands beim Bundesligaspiel Wiener Neustadt gegen Ried wird nicht zufällig die Zuschauerzahl mitgeliefert: 2000. Zeitgleich jubeln in Graz 4023 Besucher.

„Nie mehr dritte Liga“


Auch die treuen Fans in der Südkurve sind aus dem Häuschen. „Nie mehr dritte Liga!“, skandieren sie. Längst haben sie den Lieblingsfeind im Visier. Immer wieder wird in Schlachtgesängen der SK Sturm verhöhnt. Der Lokalrivale kickt derweil zwei Stockwerke höher. Und selbst wenn sich der Grazer Bürgermeister schon vor zwei Jahren ein regelmäßiges Derby gewünscht hat, wird man wohl noch warten müssen. „Das wird dauern, man darf nicht an einen Durchmarsch glauben, man muss die Realität im Auge behalten“, bremst Stöger die Hoffnung.
Die Erwartungen der Anhänger an die junge Mannschaft rund um Rene Kollmann sind enorm. Fans kommen auch aus Oberösterreich und Wien zu den Heimspielen, bis zu eintausend Treue begleiten die Mannschaft zu Auswärtspartien. Manchmal dreht die Begeisterung in blinde Brutalität, Fanausschreitungen bescherten den Grazern Punkteabzüge. „Das haben wir jetzt im Griff, unsere Fans machen nichts mehr“, betont Bittmann. Rund um ihn im VIP-Klub drängt sich regionale Prominenz. „Einmal rot, immer rot“, lautet dort die simple Fanlogik.
Auch die Sponsoren sind zurück. Beim ersten Spiel nach der dritten Pleite hatte man noch Werbetafeln aufgestellt, ohne dass dafür Geld floss. „Damit es nicht so peinlich aussah“, erinnert sich Bittmann. Mittlerweile reichen die bezahlten Transparente bis in die zweite Reihe. Darunter auch jene der Unternehmerfamilie Roth. Clan-Oberhaupt Rudi Roth, früher Tormann der Kampfmannschaft, droht indes die eigene Vergangenheit als Klubpräsident einzuholen. Der Staatsanwalt ermittelt gegen die ehemalige Vereinsführung.

„Lasse mich nicht erpressen“


Ungelöst ist die Zukunft des Trainingszentrums im Norden von Graz. Eine GAK-affine Investorengruppe hat die Anlage im Zuge des Finanzkollaps erworben. Jetzt soll sie von der stadteigenen Holding-Graz übernommen werden. Ob weiterhin der GAK dort trainieren wird, ist unklar. „Es muss finanzierbar sein, ich lass mich sicher nicht erpressen“, gibt sich der Präsident kämpferisch.
Auch wenn es darum geht, den Trainer zu halten, lässt er die Muskeln spielen. „Das wird teuer“, pariert er Fragen, was passieren würde, sollte Peter Stöger abgeworben werden. Stöger selbst will seinen bis 2012 laufenden Vertrag beim GAK erfüllen. Und wenn ein Anruf aus der Bundesliga käme? „Freilich sind die großen Vereine immer eine Überlegung“, gesteht der Wahl-Grazer. Nachsatz: „Wer das leugnet, hat noch nie einen Anruf bekommen oder er lügt.“