Kate, meine Hoffnung auf ein neues Vierteljahrhundert

In England heiratet eine hübsche junge Dame, in Japan ging ein Pionier der Unterhaltungselektronik von uns. Trendsetter einst und jetzt.

Kate heiratet diese Woche. Darüber bin ich mir schon im Klaren. Trotzdem, bevor wir uns mit der gebotenen royalen Ausschließlichkeit diesem Thema widmen: Ein paar Zeilen am Beginn dieser notabene österlich verkürzten Woche möchte ich noch Norio Ohga widmen. Der Name wird vielen fremd sein. Wie alle wirklichen Drahtzieher im menschlichen Leben agierte er hinter den Kameras.

Und das sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn als oberster Chef von Sony trug er Verantwortung für die Entwicklungsstrategien im Unterhaltungselektronik-Bereich. Eine Verantwortung, die er sehr ernst genommen hat. Ohne Ohga ging nichts im Multimediageschäft.

Niemand wusste das besser als Herbert von Karajan, der den ausgebildeten Musiker Ohga zu seinen engsten Freunden zählte. Es war während eines Besuches des japanischen Konzernbosses, dass der Dirigent an Herzversagen starb.

Seite an Seite hatten die beiden zu Beginn der 1980er-Jahre die Einführung einer neuen Technologie propagiert, von der sie behaupteten, sie werde das Musikbusiness revolutionieren. An Karajans Finger steckte während der legendären Pressekonferenz eine Silberscheibe: die erste Compact Disc.

Wenige Jahre später verkündete man, die klassische Schallplatte sei tot – und brannte neue Aufnahmen bald tatsächlich nur noch auf CD. Die Zahl derer, die den damit verbundenen Verlust an sinnlicher Klangqualität und -vielfalt betrauerten, war vergleichsweise gering. Rauschfreiheit und Praktikabilität der Silberscheibe siegten über ästhetische Bedenken.

Vorläufig.

Es ist ein Zynismus der Geschichte, dass Norio Ohga nun 81-jährig starb: in einer Zeit, da das starke Vierteljahrhundert der CD zu Ende geht, die Schallplatte eine behutsame Renaissance erlebt und, apropos Praktikabilität, selbst Rezensenten der britischen Zeitschrift „Gramophone“ bekennen, Musik nur noch nach Überspielung der Aufnahmen zu hören – von der Festplatte.

Die Zukunft oder besser: das nächste Vierteljahrhundert der Schallwiedergabe-Historie hebt an. Das hat wohl auch etwas mit Mode zu tun. Während wir das Revival der klanglich weitaus vielschichtigeren Vinylplatte zelebrieren, freuen wir uns ja auch über die haptisch viel erfreulicheren alten Plattencover – es gibt Sammler, die sich vor allem aus optischen Gründen auf alte Alben stürzen.

Pardon, und Kate?

Genau. Stichwort Mode. Mir fällt auf, die gewiss Trends setzende junge Dame trägt gern Röcke und Kleider. Die vielen Bilder zeigen sie kaum in Jeans. Das nährt in mir notorisch politisch inkorrektem Chauvinisten die Hoffnung auf ein neues Vierteljahrhundert – in Sachen Ewigweiblichkeit.

E-Mail: wilhelm.sinkovicz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.04.2011)

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