Haben Schnecken in den letzten 50 Jahren die Farbe ihrer Häuser geändert, weil es wärmer geworden ist? Eine europaweite Beobachtung der Evolution in Echtzeit durch tausende Freiwillige brachte rätselhafte Befunde.
Haben Schnecken in den letzten 50 Jahren die Farbe ihrer Häuser geändert, weil es wärmer geworden ist? Theoretisch hätten die Häuser heller werden sollen, weil dann mehr Sonnenlicht reflektiert wird. Oder haben Schnecken die Zeichnung ihrer Häuser verändert, weil ihre Hauptfeinde seltener wurden, die Singdrosseln? Das wollte 2009 das Projekt „Evolution Megalab“ klären, in dem Forscher europaweit alle Willigen zur Beobachtung von Bänderschnecken einluden und die Befunde mit Exemplaren aus Museen abglichen. Aber die erste Erwartung wurde enttäuscht, die Schnecken reagierten auf die Wärme nicht mit helleren Häusern.
„Die Klimahypothese wurde nicht unterstützt“, erklärt Helmut Sattmann (Naturhistorisches Museum Wien), der das Projekt für Österreich koordinierte – 80 Laien beobachteten mit, europaweit waren es über 6000 –, „und die Hypothese vom abnehmenden Jagddruck muss näher überprüft werden.“ Denn die Schnecken haben zwar die Zeichnung ihrer Häuser verändert, das muss aber nichts mit den Singdrosseln zu tun haben, es gibt andere Jäger auch. Deshalb sollen in der nächsten Projektrunde vogelkundige Freiwillige rekrutiert werden (PLoS One, 27. 4.). jl