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Transparenz? Viel zu teuer!

Wo die Offenlegung von Sponsoring durch die Politik zu viel Arbeit macht, ist die Demokratie in Gefahr.

Dafür werden Wiens Bürger Verständnis haben. Leider, leider, sagt die rote, mit grünen Spurenelementen verschönte Stadtregierung, bedeute es zu viel Aufwand, zu erheben, welches Massenmedium mit wie vielen Millionen aus dem Inseratentopf bedacht wird. Und leider, leider, so die Auskunft an den Gemeinderat, sei es obendrein noch zu teuer, die Bücher der betroffenen Dienststellen und stadteigenen Unternehmen nach Werbeausgaben zu durchforsten.

Abgesehen davon, dass man sich aufrichtig über den Schwenk zu mehr Budgetdisziplin freuen darf, befindet sich die Wiener Stadtregierung mit dieser Grundhaltung auf dem besten Weg zurück ins Mittelalter. Nicht nur, dass eine moderne Buchhaltung Details aus dem Jahresabschluss auf Knopfdruck ausspucken müsste – viel schwerer wiegt, dass intransparente Geldflüsse an Massenmedien, deren ureigenste Aufgabe die Kontrolle der Mächtigen ist, das Gleichgewicht der Kräfte und so die Demokratie gefährden. Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht gern.

Ausreden, dass Transparenz Arbeit und Geld koste, bestätigen geradezu den Verdacht, dass freundliche Berichterstattung mit der Zahl teuer gebuchter Anzeigen korreliert. An Perfidie grenzt, dass sich der Steuerzahler Lobhudelei vermeintlich unabhängiger Medien auch noch selbst bezahlen darf. Diese Geldflüsse offenzulegen darf ruhig ein paar Euro kosten. Böse Kommentare dazu würden wir uns verkneifen. Ehrlich.


andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2011)

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