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Möbelmesse Mailand

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Was man auf der Möbelmesse Mailand lernen durfte: Weiß ist die ewige Trendfarbe im Weltraum, auf Baumstämmen sitzt man auch bequem. Und: Möbel bieten offene Nutzungskonzepte und wollen selbst so gern leuchten.
15.05.2018 um 02:03
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Alles Ansichtssache, meint Andrea Branzi. Der italienische Designer und Memphis-Veteran macht sich schon mehrere Jahrzehnte Gedanken zum Design, ganz abstrakte und diesmal wieder ganz konkrete. „Komfort ist keine ergonomische Tatsache“, sagt er. Auch auf einem Stein oder einemBaumstumpf kann man manchmal bequemer sitzen als auf Polstermöbel. „Anti Comfort“ nennt Branzi daher konsequenterweise sein Stuhlexperiment für den italienischen Holzveteranen Riva.
Alles Ansichtssache, meint Andrea Branzi. Der italienische Designer und Memphis-Veteran macht sich schon mehrere Jahrzehnte Gedanken zum Design, ganz abstrakte und diesmal wieder ganz konkrete. „Komfort ist keine ergonomische Tatsache“, sagt er. Auch auf einem Stein oder einemBaumstumpf kann man manchmal bequemer sitzen als auf Polstermöbel. „Anti Comfort“ nennt Branzi daher konsequenterweise sein Stuhlexperiment für den italienischen Holzveteranen Riva.
(c) Hersteller
Doch „Antidesign“ war längst nicht die einzige hölzerne Spielart auf dem „Salone del Mobile“. Eine Holzwelle schwappte zwar nicht mehr über die Entwürfe, doch Zitate, Anleihen und Verweise waren zahlreich – selbst in Bodennähe versprühen Jahresringe Gemütlichkeit: So weich wie Holz nie sein kann ist etwa der sympathische Teppichbaumstumpf „Woody Wood“ vom holländischen Designstudio Y-Line.
Doch „Antidesign“ war längst nicht die einzige hölzerne Spielart auf dem „Salone del Mobile“. Eine Holzwelle schwappte zwar nicht mehr über die Entwürfe, doch Zitate, Anleihen und Verweise waren zahlreich – selbst in Bodennähe versprühen Jahresringe Gemütlichkeit: So weich wie Holz nie sein kann ist etwa der sympathische Teppichbaumstumpf „Woody Wood“ vom holländischen Designstudio Y-Line.
(c) Hersteller
Ganz schön viele Geister haben die Hersteller da heraufbeschworen auf der Mailänder Möbelmesse. Bekannte Namen sind darunter, Caspar heißt etwa der Pouf, der sich für den Hersteller Domitalia in Polyethylen materialisiert hat. Genauso wie der größere und breitere Kamerad „Phantom“.
Ganz schön viele Geister haben die Hersteller da heraufbeschworen auf der Mailänder Möbelmesse. Bekannte Namen sind darunter, Caspar heißt etwa der Pouf, der sich für den Hersteller Domitalia in Polyethylen materialisiert hat. Genauso wie der größere und breitere Kamerad „Phantom“.
(c) Hersteller
Innen und außen dürfen sie spuken, besonders effektvoll in der Nacht natürlich, wenn das integrierte LED-Licht durch den Kunststoff schimmert. Beim Messerundgang begegnete man noch anderen Geistern, Sofas, Stühlen, die aussahen wie das archetypische Leintuchgespenst, in das sich jemand hineingesetzt hat. Und auch die Steigerung von Weiß und bleich war präsent oder eben nicht präsent: die transparenten Möbel, die wie Gespenster zu schemenhaften Konturen verschwimmen.
Innen und außen dürfen sie spuken, besonders effektvoll in der Nacht natürlich, wenn das integrierte LED-Licht durch den Kunststoff schimmert. Beim Messerundgang begegnete man noch anderen Geistern, Sofas, Stühlen, die aussahen wie das archetypische Leintuchgespenst, in das sich jemand hineingesetzt hat. Und auch die Steigerung von Weiß und bleich war präsent oder eben nicht präsent: die transparenten Möbel, die wie Gespenster zu schemenhaften Konturen verschwimmen.
(c) Hersteller
Für alle, die sich nicht entscheiden wollen oder können, kommen bessere Zeiten. Das gesellschaftliche Sowohl-als-auch-Prinzip, manche nennen es auch Unverbindlichkeit, fällt in die Möbelwelt ein. Die „All-in-one“- und „Ich bin viele“-Fraktion kennt man im Objekt- und Möbelbereich schon länger. Doch meist war es der funktionale Zugang, der die Nutzer irgendwann seufzen lassen sollte: „Ach wie praktisch, ein Hocker und ein Tisch zugleich.“ Jetzt lassen viele Stücke gleich alles offen und viele Nutzungsinterpretationen zu. Noch Chaiselongue oder schon Teppich? Wie das Modell „Loop“ von Casamania und Designerin Sophie de Vocht.
Für alle, die sich nicht entscheiden wollen oder können, kommen bessere Zeiten. Das gesellschaftliche Sowohl-als-auch-Prinzip, manche nennen es auch Unverbindlichkeit, fällt in die Möbelwelt ein. Die „All-in-one“- und „Ich bin viele“-Fraktion kennt man im Objekt- und Möbelbereich schon länger. Doch meist war es der funktionale Zugang, der die Nutzer irgendwann seufzen lassen sollte: „Ach wie praktisch, ein Hocker und ein Tisch zugleich.“ Jetzt lassen viele Stücke gleich alles offen und viele Nutzungsinterpretationen zu. Noch Chaiselongue oder schon Teppich? Wie das Modell „Loop“ von Casamania und Designerin Sophie de Vocht.
(c) Hersteller
Noch sitzen oder schon liegen? Oder gar sitzliegen? Alles möglich auf „Siesta“ von Campeggi. Das Unverbindliche nahm Platz auf vielen Entwürfen in Mailand – Möbel, die nicht sofort verraten, was man auf ihnen alles kann.
Noch sitzen oder schon liegen? Oder gar sitzliegen? Alles möglich auf „Siesta“ von Campeggi. Das Unverbindliche nahm Platz auf vielen Entwürfen in Mailand – Möbel, die nicht sofort verraten, was man auf ihnen alles kann.
(c) Hersteller
Dass manche Objekte und Möbel ganz anders wirken, wenn sie nicht nur träge Licht ins Auge des Betrachters reflektieren, sondern selbst erzeugen, das wissen die Event-Plastikmöbel-Manager schon längst. Leicht abwasch- und stapelbar passt geformtes Polyethylen in jeden Lkw. So dürfen Barhocker und Stehtisch eine Eventlänge lang schön in die Nacht leuchten. Aber auch zu Hause erzeugt man die Lichteffekte zunehmend nicht mit Leuchten, die aussehen wie Leuchten, sondern mit Möbel, die manchmal gar nicht aussehen wie Möbel. Die Borsten eines Besens sind ja auch schön lichtdurchlässig.
Dass manche Objekte und Möbel ganz anders wirken, wenn sie nicht nur träge Licht ins Auge des Betrachters reflektieren, sondern selbst erzeugen, das wissen die Event-Plastikmöbel-Manager schon längst. Leicht abwasch- und stapelbar passt geformtes Polyethylen in jeden Lkw. So dürfen Barhocker und Stehtisch eine Eventlänge lang schön in die Nacht leuchten. Aber auch zu Hause erzeugt man die Lichteffekte zunehmend nicht mit Leuchten, die aussehen wie Leuchten, sondern mit Möbel, die manchmal gar nicht aussehen wie Möbel. Die Borsten eines Besens sind ja auch schön lichtdurchlässig.
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Auf Leuchtobjekten wie „Moon“ kann man dann die Stimmung besonders genießen, die die Leuchtbesen im anderen Eck erzeugen.
Auf Leuchtobjekten wie „Moon“ kann man dann die Stimmung besonders genießen, die die Leuchtbesen im anderen Eck erzeugen.
(c) Hersteller
Die „Disneyisierung“ hat endlich auch das Design erreicht. Und noch dazu als bewusstes Experiment: „Tron designs Corian.“ Das eine ist die Welt des Disneyfilms „Tron Legacy“, das andere das Oberflächenmaterial, das Küchen und Objekte auf der ganzen Welt überzieht. Eine Ausstellung fragte sich, was wäre, würde sich kühl-glatter Film-Lifestyle über das Wohndesign der Zukunft stülpen. Sogar Hersteller Cappellini steuerte einen fraktalen Tron-Sessel bei – nicht das erste Mal, dass Science-Fiction-Filme prägen, was man landläufig unter „futuristisch“ versteht.
Die „Disneyisierung“ hat endlich auch das Design erreicht. Und noch dazu als bewusstes Experiment: „Tron designs Corian.“ Das eine ist die Welt des Disneyfilms „Tron Legacy“, das andere das Oberflächenmaterial, das Küchen und Objekte auf der ganzen Welt überzieht. Eine Ausstellung fragte sich, was wäre, würde sich kühl-glatter Film-Lifestyle über das Wohndesign der Zukunft stülpen. Sogar Hersteller Cappellini steuerte einen fraktalen Tron-Sessel bei – nicht das erste Mal, dass Science-Fiction-Filme prägen, was man landläufig unter „futuristisch“ versteht.
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Der Italiener Simone Micheli wohnt selbst in Mailand wie in einem Raumschiff, für den Produzenten Adrenalina hat er auch ein paar neue Barbapapa-Pop-Space-Möbel auf die Messe gestellt. Und in seinem Studio im Mailänder Trend-Design-District Lambrate bewies er mit seinen experimentellen Entwürfen: Die Trendfarbe des Weltraums bleibt eindeutig Weiß.
Der Italiener Simone Micheli wohnt selbst in Mailand wie in einem Raumschiff, für den Produzenten Adrenalina hat er auch ein paar neue Barbapapa-Pop-Space-Möbel auf die Messe gestellt. Und in seinem Studio im Mailänder Trend-Design-District Lambrate bewies er mit seinen experimentellen Entwürfen: Die Trendfarbe des Weltraums bleibt eindeutig Weiß.
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