Kein Ende der Dollar-Schwemme

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Die US-Notenbank kümmert sich nicht um Inflation, und wird damit das Wachstum in Asien und Europa bremsen. Der Euro bleibt trotz Schuldenkrise vergleichsweise stark. Gold und Silber legen ein wenig zu.

Die Ankündigung der US-Notenbank Fed, die Zinsen noch eine Zeit lang nahe null zu lassen und an der lockeren Geldpolitik festzuhalten, hat vorerst das erwartete Ergebnis gebracht: Der Dollar fällt zum Euro, Gold und Silber legen ein wenig zu, die Aktienmärkte zeigen sich erleichtert.

Ob der Hauptzweck – die immer noch relativ schwache amerikanische Konjunktur zu beleben – erreicht wird, steht allerdings in den Sternen. Interessant scheint, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed neuerdings völlig unterschiedliche Strategien fahren – und dabei den gleichen Nebeneffekt erzielen.

Die EZB setzt seit der jüngsten Zinserhöhung (und der De-facto-Ankündigung mehrerer weiterer Zinsschritte in diesem Jahr) voll auf Inflationsbekämpfung. Was das Wachstum im Endeffekt um ein paar Zehntelprozentpunkte dämpfen könnte.

Die US-Notenbank sorgt mit ihrer anhaltenden Liquiditätsschwemme dafür, dass die Teuerung am Laufen bleibt – und erzeugt damit indirekt ebenfalls Wachstumsprobleme. Denn die vielen Milliarden Dollar, die via Anleihekäufe in den Markt gepumpt werden, gehen nicht in den Konsum oder in realwirtschaftliche Investitionen, sondern dorthin, wo derzeit am meisten Geld zu machen ist: in die Aktienmärkte und in die Rohstoffspekulation. Das kommt in Form hoher Preise für Rohöl sowie industrielle und agrarische Rohstoffe in die USA zurück.

Auf dem Weg zur Stagflation

Die Argumentation von Fed-Chef Bernanke, Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung seien vorerst nicht notwendig, weil die „Kerninflation“ in den USA ja weiterhin gering sei und die Teuerung über Rohstoffe und Energie nur importiert werde, hinkt also ein wenig.

Natürlich werden die Rohstoff- und Energiepreise von Veranlagung suchenden billigen Dollar stark beeinflusst. Und das kostet Wachstum – in den USA, wo die Wachstumsprognose erst kürzlich um ein paar Zehntelprozentpunkte zurückgeschraubt wurde, vor allem aber in den rasch wachsenden Schwellenländern Asiens. Dort werden die hohen Rohstoff- und Energiekosten das BIP-Wachstum heuer und im kommenden Jahr um gut 1,5 Prozentpunkte abbremsen, fürchtet die Asiatische Entwicklungsbank.

Die Gleichung, dass inflationär wirkendes billiges Geld automatisch Wachstum generiert, scheint also nicht zu stimmen. Man kann das sehr schön in Großbritannien beobachten, wo die Niedrigzinspolitik in eine echte Stagflation (wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitig hohen Inflationsraten) geführt hat.

Die Amerikaner werden es trotzdem auf diese Art versuchen. Die Andeutungen Bernankes, alles beim Alten zu lassen, deuten jedenfalls darauf hin, dass die US-Notenbank zumindest heuer von ihrer De-facto-Nullzinspolitik nicht mehr abgehen wird.

Sanftes Ende der Anleihenkäufe

Lediglich das riesige 600-Milliarden-Dollar-Anleihen-Ankaufsprogramm der Fed wird im Sommer auslaufen. Das heißt aber noch nicht, dass die Notenbank vorhat, das Geld wieder aus dem Markt zu ziehen: Bernanke hat angedeutet, dass die Fed nicht daran denkt, ihre schon ziemlich aufgeblähte Bilanzsumme zurückzufahren. In der Praxis heißt das, dass die Notenbank das durch ablaufende Anleihen frei werdende Geld wohl in Staatspapiere reinvestieren wird. Der Ausstieg aus dem Staatsanleihen-Aufkaufprogramm wird also sehr sanft erfolgen.

Der amerikanischen Wirtschaft wird das möglicherweise nützen, der europäischen weniger: Die bekommt zu höheren Zinsen und teuren Rohstoffen jetzt trotz der auch hierzulande grassierenden Schuldenkrise auch noch einen (in Relation zum amerikanischen Dollar) superstarken Euro serviert – und der verteuert die Exporte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2011)

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