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Weiteres Meischberger-Mail an Wrabetz publik

Weiteres MeischbergerMail Wrabetz publik
Walter Meischberger, damals noch ORF-Stiftungsrat(c) APA (Roland Schlager)

Erneut ist ein Mail von Meischberger an den ORF-Chef aufgetaucht. Der ehemalige Stiftungsrat kann dessen Echtheit aber nicht bestätigen: Die Veröffentlichung sei ein politisches Manöver.

Gut vier Monate vor der Wahl des ORF-Generaldirektors wäscht man auf dem Küniglberg offenbar schmutzige Wäsche: Erneut ist ein Mail des ehemaligen ORF-Stiftungsrates Walter Meischberger an den erneut kandidierenden ORF-Chef Alexander Wrabetz aufgetaucht. Das Schreiben, dass dem Nachrichtenmagazin "Profil" und der Tageszeitung "Standard" vorliegt, stammt aus dem Jahr 2008. Meischberger schildert darin wieder angebliche Vereinbarungen zu dem nie umgesetzten Onlineprojekt "D.ORF".

Für ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann wird "eine mehr als zweieinhalb Jahre alte Geschichte aufgewärmt, die damals bereits öffentlich und breit diskutiert wurde", sagte er am Freitag. Kolportierte Entwürfe für "D.ORF" waren im September 2008 bekanntgeworden. Am 5. September des Jahres hatte Meischberger behauptet, im Auftrag von Wrabetz ein Konzept für eine virtuelle Plattform a la Facebook für den ORF zu planen. Postwendend kam damals ein Dementi aus dem ORF: Meischberger sei dafür weder schriftlich noch mündlich beauftragt worden, noch besitze er sonst wie einen Projektauftrag des ORF, betonte der damalige ORF-Kommunikationschef Pius Strobl. "Jede andere Darstellung ist unwahr."

In dem nun zitierten Mail an Wrabetz bezieht Meischberger sich auf ein Telefongespräch vom 6. September 2008 mit Wrabetz persönlich. "Nachdem sich die medialen Wellen in Sachen D.ORF langsam verflüchtigen, melde ich mich auf diesem Wege, um im Hinblick auf die morgige Stiftungsratsklausur weiteren Kommunikationsfehlern und Missverständnissen rechtzeitig vorzubeugen." Sein Schreiben sei als Zusammenfassung eines Telefongesprächs vom 6.9. 2008 zu verstehen, so der damalige Stiftungsrat und "sollte den gemeinsamen Willen, das Projekt D.ORF in einer rechtlich haltbaren Konstellation trotz aller möglichen Querschüsse doch noch umzusetzen, festschreiben."

"Kann Echtheit nicht bestätigen"

Meischberger selbst kann sich ad hoc nicht an das Schreiben erinnern, sagte er am Freitag zur APA. "Ich kann die Echtheit des Mails nicht bestätigen", sagte er. "Inhalt und Authentizität müsste ich erst überprüfen." Es sei aber "eine schwer illegale Aktion, Mails, die von einer Privatperson geschrieben wurden, öffentlich zu machen." Was er konkret in Sachen ORF-Online-Community geplant habe, verrät Meischberger heute übrigens nicht mehr: "Das ist eine private Sache von mir, die ich in der Öffentlichkeit nicht kommentieren werde."

Er sieht in der Veröffentlichung seiner angeblichen alten Korrespondenz ein politisches Manöver: "Ich bin nur verwundert, welche Mails da von wem und wohin im Vorfeld der ORF-Wahl verwendet werden." Seine Stimme für die Kür von ORF-Generaldirektor Wrabetz im Jahr 2006, an der er als Stiftungsrat für das BZÖ mitgewirkt hatte, habe keinerlei Absprachen für spätere Aufträge durch den ORF zur Folge gehabt, so Meischberger am Freitag. "Ich habe schon mehrmals festgestellt: Da gab es keine Absprachen."

Keine Bezahlung vom ORF

Von ORF-Seite wurde am Freitag einmal mehr betont, dass das Projekt nie umgesetzt worden sei. Meischbergers Agentur "zehnvierzig" habe dem ORF ein "Social-Media-Projekt unter dem Titel D.ORF präsentiert. Es gab dafür keinerlei Bezahlung bzw. Abgeltung für die Projektidee durch den ORF. Dies bestätigt Herr Meischberger übrigens auch im nun veröffentlichen E-Mail", so Biedermann.

Dass Dienstleister, von Agenturen bis TV-Produzenten, auf eigene Kosten Konzepte und Vorschläge ausarbeiten, sei Usus. "Wir halten an dieser Stelle zum wiederholten Mal fest, dass auch im Kontext anderer von Herrn Meischberger vorgeschlagener Projekte keine Realisierung oder Bezahlung erfolgte, mit Ausnahme der ebenfalls bereits der Öffentlichkeit und dem ORF-Stiftungsrat bekannten Erstellung von Grafik- und Design-Konzepten für zwei Präsentationen durch seine Agentur um jeweils etwa 3500 Euro."

Klage gegen "Österreich"

Meischberger hat in Sachen ORF-E-Mails auch eine Klage gegen die Tageszeitung "Österreich" angestrengt, die am 13. Mai verhandelt werden soll. Als Zeugen geladen sind dem Vernehmen nach ORF-Generaldirektor Wrabetz sowie Onlinedirektor Thomas Prantner, der damals im ORF Ansprechperson für das Projekt war. Konkret geht es um einen Bericht über ein angebliches weiteres E-Mail Meischbergers, in dem dieser auf Vereinbarungen mit Wrabetz im Zuge dessen Kür zum General verwies.

Meischberger, der Wrabetz in seiner Funktion als Stiftungsrat mitgewählt hat, überlegt mittlerweile aber, die Klage zurückzuziehen, sagte er am Freitag. Er wolle kein Polittheater aus dem Prozess machen. In der Verhandlung wäre zu klären gewesen, was Meischberger tatsächlich an Wrabetz geschrieben hat. Laut Medienberichten hatte Meischberger in dem Mail an Zusagen für ein ORF-Magazin erinnert. Meischberger selbst hatte die Echtheit des Schreibens bei der Veröffentlichung "ernsthaft angezweifelt".

Der ORF-Generaldirektor wird am 9. August gewählt.

(APA)