Der Autokinomann

Der Präsident des Kinoverbandes führte 26 Jahre lang Österreichs einziges Autokino, das er nun schließen musste.

Höfliche Floskeln sind seine Sache nicht. Franz Lampesberger ist ein Mann der direkten Worte, selbst in Situationen, in denen möglicherweise mehr Diplomatie gefragt wäre. „Niemand kennt Groß-Enzersdorf“, richtet er dem dortigen Bürgermeister, mit dem er derzeit um die Vergnügungssteuer streitet, aus. „Aber jeder kennt das Autokino.“

Das mag stimmen, besucht wurde sein „Autokino Center Wien“, 200 Meter hinter der Wiener Stadtgrenze, zuletzt aber nur noch mäßig. Seit 45 Jahren besteht Österreichs einziges Autokino, vor 26 Jahren hat es Lampesberger (63) übernommen. Schon davor war sein Leben seiner großen Leidenschaft, dem Kino, gewidmet. Als 19-Jähriger kam er bei Constantin Film unter, später führte er seinen eigenen Filmverleih („Movie Film Verleih“), ehe er das Autokino übernahm. Dank der „guten Beziehungen nach Amerika, Disney und so weiter“, wie er nicht ohne Stolz erzählt, konnte er in seinem Autokino die Filme zeitgleich mit den „normalen“ Kinos zeigen.

Seine Beziehung zu Groß-Enzersdorf war schon vor dem derzeitigen Streit etwas problematisch. Immer wieder sei er säumig gewesen, heißt es. Lampesberger spricht von „Differenzen um die Mehrwertsteuer“, die „hohe Summe“ habe er längst zurückgezahlt. Dem Land schuldet er noch 1600 Euro an Steuern, die zahle er aber nicht. „Mit Absicht“, wie er sagt. Um gegen die aus seiner Sicht ungerechte Vergnügungssteuer zu protestieren.

Seit mehr als zehn Jahren ist er Obmann der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe in der niederösterreichischen Wirtschaftskammer. Und seit heuer ist er auch noch Präsident des österreichischen Kinoverbands. mpm

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2011)

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