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Skylink: Viel Arbeit auf der Großbaustelle Flughafen

Skylink Viel Arbeit Grossbaustelle
Skylink(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Auf die beiden neuen Chefs warten riesige Herausforderungen, die Inbetriebnahme des umstrittenen Terminals Skylink ist gleich die erste Bewährungsprobe. Dann kommt die dritte Piste.

Die bei Politikern und Managern übliche Schonfrist von 100 Tagen gibt es diesmal nicht. Wenn die beiden neuen Flughafen-Manager, die seit dem Wochenende gesucht werden, ihren Job Anfang Oktober antreten, sind sie sofort mit dem Finale des umstrittensten und teuersten Bauprojekts in Österreich seit dem AKH konfrontiert: Am 28.Oktober soll der Terminal Skylink des Wiener Flughafens fertig sein, Mitte 2012 soll er in Betrieb gehen – vier Jahre später und mit rund 800Mio. Euro doppelt so teuer wie geplant.

Das Megabauwerk, das mehrere Führungskräfte den Job kostete und Rechnungshof sowie Justiz beschäftigt, ist freilich nur eine Herausforderung, die auf das neue Vorstandsduo zukommt. „Qualität rauf – Kosten runter“: So lautet laut Flughafen-Interimschef Christoph Herbst das Ziel.

• Seit die AUA im Lufthansa-Konzern fliegt, ist die Konkurrenz für den Flughafen Wien, der Heimatflughafen und Drehkreuz für die AUA ist, deutlich gewachsen. Die Lufthansa hat mit München einen weitaus größeren – und moderneren – Airport zur Verfügung. Für eine Expansion der AUA in Wien stellen die Deutschen Bedingungen: günstigere Tarife und mehr Kapazitäten.

• Mitten in der Sanierung wird die AUA von den Krisen in Japan und Nordafrika gebremst. Sollte sich die Situation nicht beruhigen, droht ein neuerliches Sparprogramm. Das heißt, dass die AUA bzw. die Lufthansa den Flughafen erneut um einen „Solidarbeitrag“ bitten würden.

• Wien muss aber auch den zweitwichtigsten Kunden Air Berlin und Niki bei der Stange halten. Die beiden Airlines haben schon 18Prozent Marktanteil in Wien, mit deutlich steigender Tendenz. Gleichzeitig muss der Flughafen neue Fluglinien an Bord holen, um die Kundenstruktur auszubauen. Auch das kostet Geld.

• Der Skylink erhöht zwar die Kapazität Wiens auf 30Mio. Passagiere. Ohne dritte Piste bleibt die Expansion aber Theorie. Dieses Großprojekt, ein „rotes Tuch“ für Anrainer, ist noch lange nicht auf Schiene: Die Umweltverträglichkeitsprüfung läuft, man rechnet mit einem ersten Bescheid zum Jahreswechsel 2011/2012.

• Auch die alten Terminals müssen dringend saniert werden.

Da der teure Skylink die Finanzen wegen hoher Abschreibungen und Schulden ordentlich strapaziert, wird der Airport, der auch 2010 eine satte Umsatzrendite von 19,2Prozent erreicht hat, künftig nicht mehr so aus dem Vollen schöpfen können. Dass deshalb auch die Beteiligungen Malta, Košice und Friedrichshafen auf den Prüfstand gestellt werden müssen, gilt als selbstverständlich. Vor allem Friedrichshafen, dessen Kauf von der Staatsanwaltschaft untersucht wird, hat bisher nur Verluste gebracht. Beobachter schließen daher auch erstmals größere Einschnitte nicht aus.

Das richtige Parteibuch, das bisher angesichts der Großaktionäre Wien und Niederösterreich die Hauptrolle bei Besetzungen spielte, wird daher nicht ausreichen. Die Chefs sollen auch alles andere denn „Parteisoldaten“ sein, wird beteuert. Die Länder verzichten erstmals auf ihr Nominierungsrecht. Verlangt wird Erfahrung im Flughafen-Management, strategische Stärke, Beharrlichkeit, Führungs- und soziale Kompetenz. So steht es zumindest in der internationalen Ausschreibung. Da auch ausgezeichnete Deutsch- und Englischkenntnisse gefragt sind, scheint die Bewerbung der alten Managergarde ausgeschlossen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2011)