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Güls türkische Österreicher

Integrationsprobleme in Österreich können nicht in Ankara gelöst werden.

Es waren scharf gewürzte Antworten, die der türkische Botschafter in seinem Interview mit der „Presse“ im November auftischte: Er stieß vor den Kopf, legte aber auch den Finger auf offene Wunden. Neben dieser Würze sorgte etwas anderes für einen seltsamen Beigeschmack: Der Botschafter sprach von 250.000 Türken in Österreich, für die er sich verantwortlich fühle. Doch die Hälfte davon sind längst Österreicher. Der türkische Präsident Gül versucht zwar, hier stärker zu differenzieren. Doch auch er wendet sich an alle Menschen mit türkischem Migrationshintergrund – ganz gleich, welchem Staat sie angehören, ganz gleich, wie sie selbst ihre Identität sehen, oder ob sie sich vom Politiker Gül vertreten fühlen.

Diese Vereinnahmung wird von österreichischen Politikern gefördert: Immerhin wurde der türkische Präsident vor seinem Besuch aufgefordert, in Österreich lebende Türken zu mehr Integrationsleistung anzuspornen. Das mag in einigen Fällen sogar hilfreich sein. Doch überall dort, wo Integration nicht funktioniert, geht es letzten Endes um österreichische Probleme. Diese Probleme müssen dort gelöst werden, wo sie auftreten – etwa in Wohngegenden, in denen bildungsferne Schichten verschiedener Kulturen aufeinander treffen. Diese Probleme sollen und können nicht in Ankara gelöst werden. Sie können nur in Österreich gelöst werden.


E-Mails an: wieland.schneider@diepresse.com