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„Der Lask ist noch nicht am Ende, wir kämpfen!“

(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Josef Bollwein)
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Lask-Präsident Peter Michael Reichel wehrt sich gegen Kritik und attackiert ÖFB-Präsident Leo Windtner: "Windtner hat das Sponsoring zuerst reduziert, ab Sommer ist es auf null gestellt."

Die Presse: Der Lask hat vom Senat 5 der Bundesliga vorerst keine Lizenz für die neue Saison erhalten. Jetzt drohen Sie mit dem freiwilligen Abschied aus dem Profifußball. Ist der Lask am Ende?

Peter Michael Reichel: Der Lask ist nicht am Ende, soweit ist es noch nicht. Ich bin nur der Meinung, dass der Lask dort spielen muss, wo er es sich auch leisten kann. Und da gibt es eben verschiedene Möglichkeiten. Wir können nur das Geld ausgeben, das wir haben. Spitzenfußball kostet viel Geld, aber es gibt zum Unterschied zu anderen Städten oder Ländern keinen oberösterreichischen Fußball-Schulterschluss. Dabei wäre jeder herzlich eingeladen, einen Beitrag zu leisten. Warum kann das in Linz nicht so funktionieren wie in Graz oder bei Rapid und Austria? Jetzt geht man her und sagt: ,Ist eh klar, der Reichel ist an allem schuld‘, jetzt kommen die Kritiker wieder aus ihren Löchern, weil wir die Lizenz nicht bekommen haben.

Werden Sie die Frist, gegen dieses Urteil Protest einzulegen, tatsächlich verstreichen lassen?

Nein, wir werden diese Frist nicht verstreichen lassen. Aber die Liga wird weitere finanzielle Zusagen verlangen. Wir werden uns einmal ansehen, warum der Senat 5 uns überhaupt die Lizenz verwehrt hat. Noch haben wir aber keine neuen Geldquellen erschlossen.

Sie werden in Linz hart kritisiert. Warum schmeißen Sie nicht alles hin?

Ich bin doch in Wahrheit seit Jahren der Feind. Aber wenn es darum geht, jemanden zu suchen, der sein eigenes Geld in den Verein steckt, dann herrscht tote Hose. Ich werde als Schuldiger der ganzen Problematik gesehen. Aber ich werde das nicht hinschmeißen! Ich bin ein Kämpfer.

Trotz der Anfeindungen und Widerstände? ÖFB-Präsident Leo Windtner ist auch Aufsichtsratschef Ihres Hauptsponsors und übte zuletzt harsche Kritik an Ihnen.

Ich lasse mich nicht erpressen. Und ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Leo Windtner war schon gegen mich, da hat er mich, glaube ich, noch gar nicht gekannt. Leo Windtner hat bereits vor Wochen öffentlich infrage gestellt, ob wir eine Lizenz erhalten. Auch durch solche Wortmeldungen ist ein Schaden entstanden. In Wien werden sich alle gedacht haben: Was ist da in Linz los? Windtner hat das Sponsoring zuerst reduziert, ab Sommer ist es auf null gestellt. Es ist doch kein Geheimnis, dass hier andere Leute den Lask übernehmen wollen. Nicht Windtner als ÖFB-Präsident, aber da wird er schon Leute vorschieben.

Wurde beim Lask schlecht gewirtschaftet?

Wir haben fast keine Verbindlichkeiten, wir reden hier von ein paar hunderttausend Euro. Das wäre ja nicht das große Problem – aber wir haben eine Unterdeckung für das kommende Jahr. Dabei waren wir auf einem so guten Weg. Was dazwischenkommt, das wäre der Abstieg. Das Leben in der zweiten Spielklasse wäre nicht einfach.

Als ich vor elf Jahren zum Lask gekommen bin, gab es Cash-Verbindlichkeiten in der Höhe von 4,3 Millionen Euro. Dazu kamen weitere sechs Millionen Schulden. Das heißt, es waren 10,3 Millionen zum sanieren. Und das soll schlecht wirtschaften sein? Der Lask ist sechsmal pleite gewesen, ich habe ihn vor dem Konkurs bewahrt.

Wie viel Geld haben Sie in den Klub gesteckt?

Es geht in die Millionen.

Aufgrund dieser Investitionen führen Sie den Lask wie einen Familienbetrieb?

Wir rufen bei jeder Mitgliederversammlung auf, dass wir Funktionäre brauchen, einen Vizepräsidenten suchen. Aber es meldet sich einfach keiner . . . Und dann heißt es Vetternwirtschaft.

Wenn der Lask absteigt, was passiert dann mit der Mannschaft?

Warten wir das nächste Spiel ab, da treten wir in Wien gegen die Austria an. Wir brauchen es nur Austria Lustenau nachmachen – die haben im Cup 4:0 gewonnen. Wir geben die Hoffnung nicht auf, aber die Chancen werden immer geringer. In der wahren Tabelle aber steht, dass wir eigentlich ohne Schiedsrichterbenachteiligungen Neunter sein müssen. Aber den Letzten beißen offenbar die Hunde.

Walter Schachner soll auch im Falle des Abstiegs Trainer bleiben. So ist es zumindest geplant. Und die Mannschaft, die wird nicht zerfallen. Weiters verfügen wir über eine sehr gute Amateur-Mannschaft. Dort finden sich einige junge, talentierte Spieler, die man sicher langsam an die Bundesliga heranführen kann. Da gibt es schon ein Gerippe.

Das heißt, Rene Aufhauser flüchtet nicht zum GAK?

Ich habe das noch nie gehört, glaube das auch nicht. Unser Pech war, dass Zickler, Sulimani und Metz so lange verletzt waren. Das hat uns das Genick gebrochen.

Sie denken also doch schon wieder an die neue Saison?

Ich bin ja eigentlich kein Masochist, aber ich muss sagen, ich bin wirklich sauer. In Linz fehlt einfach der Wille, den Lask zu unterstützen. Und das will und kann ich nicht begreifen. Andere (Fußball-)Vereine werden auch politisch finanziert...

Auf einen Blick

Peter-Michael Reichel (19.10. 1952) ist seit elf Jahren Präsident beim Linzer ASK. Damals kämpfte der Klub mit den Nachwehen der Pleite der Rieger-Bank. Der Lask war schwer verschuldet, wurde auch heuer wieder von Finanzproblemen eingeholt und hat vorerst von der Bundesliga keine Lizenz für die neue Saison erhalten.
Entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung wird Präsident Reichel Protest gegen das Urteil von Senat 5 einlegen. [APA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2011)