Österreich liegt in einem Ranking der Steuer-Attraktivität für Unternehmen nur auf Platz 148 von 183 Ländern. Selbst skandinavische Länder belasten Unternehmen weniger.
Wien. Im Kongo möchte man kein Unternehmer sein. Dort müssten Firmen nämlich laut Gesetz 340 Prozent ihrer Gewinne an den Staat abliefern. Würden sie es tatsächlich tun, wäre das der wirtschaftliche Selbstmord. Aber selbst in einem hoch zivilisierten Land wie Argentinien (108 Prozent) muss viel Energie in die lebensnotwendige Vermeidung vorgeschriebener Abgaben fließen. Auch die geringe Steuermoral italienischer Wirtschaftstreibenden erscheint angesichts einer Abgabenquote von 69 Prozent in anderem Licht.
In Österreich aber zahlen die meisten Unternehmen recht brav die Gewinnsteuern und Lohnnebenkosten, die ihnen der Fiskus vorschreibt – und das, obwohl sie bei einer Quote von 55,5 Prozent immerhin auch mehr als die Hälfte ihres Jahresgewinns abliefern müssen. Damit liegt Österreich in einem Ranking der Weltbank bei der Attraktivität der Steuerquote für Unternehmen nur auf Platz 148 von 183 untersuchten Ländern.
Die Untersuchung ist Teil des „Doing Business“-Reports für 2011, der im November des Vorjahres präsentiert wurde. Dabei schnitt Österreich auf den ersten Blick – mit dem schon problematischen Platz 104 bei der allgemeinen Steuerattraktivität – noch besser ab als verdient. Darauf weisen die Experten von PricewaterhouseCoopers (PwC) hin, die die Berechnung durchgeführt haben.
Nachbarn als Vorbild
Denn nach den Weltbank-Vorgaben trägt die Quote nur zu einem Drittel zur allgemeinen Steuerattraktivität bei. Der Rest betrifft den bürokratischen Aufwand und die Zahl der Überweisungen an das Finanzamt. „Diese Gewichtung ergibt Sinn für Länder, wo die Bürokratie so erdrückend ist, dass sie die Firmen am Wirtschaften hindern“, erklärt Michael Podesser von PwC Österreich.
In westlichen Industriestaaten aber ist die Quote das bei Weitem wichtigste Thema – und da liegt Österreich dramatisch schlecht. Das zeigt ein Vergleich mit Ländern, die ihren Firmen ähnliche Rahmenbedingungen bieten. Auch in Deutschland und der Schweiz gibt es ein gut ausgebautes Verkehrsnetz, die Stromversorgung funktioniert, und man ist sich seines Lebens sicher. Dennoch werden Firmen deutlich weniger belastet als in Österreich. Das gilt auch vom notorischen Hochsteuerland Dänemark. Und selbst der schwedische Fiskus zeigt sich bescheidener als der heimische.
Was das Wirtschaften hierzulande so teuer macht, sind die Lohnnebenkosten. Mit 34,6 Prozent betragen fast zwei Drittel der gesamten Last; nur in 13 Ländern weltweit ist es noch mehr. Anders bei der Körperschaftsteuer auf Gewinne: Als sie vor sechs Jahren im Satz von 34 auf 25 Prozent gesenkt wurde (effektiv auf 15,7Prozent), klopften sich die Politiker für ihre zukunftsweisende Entscheidung auf die Schulter. „Aber wir stehen nicht mehr so gut da, weil in der Zwischenzeit die Gewinnsteuern in vielen EU-Ländern runtergegangen sind“, konstatiert Friedrich Rödler. Senior Partner bei PwC.
Bürokratie am Rückzug
Ähnliches gilt auch für die „weichen“ Faktoren: Im OECD-Schnitt ging der bürokratische Aufwand für die Berechnung und Überweisung von Steuern seit 2007 deutlich zurück; in Österreich blieb er unverändert. Für die PwC-Experten ist klar, welche Lehren die Politik aus all dem ziehen soll: „Bei den extrem hohen Lohnnebenkosten muss etwas getan werden. Die Zahlen zeigen, wie schlecht wir da liegen“, sagt Rödler. Auch solle man Nebensteuern wie die Werbeabgabe und Gebühren abschaffen, die „mühsam sind und wenig bringen“. Eine Gesellschaftsteuer sei das „falsche Signal“ bei einer im Schnitt schon niedrigen Kapitalausstattung – die Abzugsfähigkeit für Zinsen aufs Eigenkapital wäre das richtige. Viele kleine Schritte also, in Richtung der Nachbarn und weg vom Kongo.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2011)