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Frauenpower für das Macholand VW

(c) AP (MAJA SUSLIN)
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Annika Falkengren wird heute in den Aufsichtsrat des Autokonzerns gewählt.

Auf der heutigen VW-Hauptversammlung werden alle Augen auf die blonde Schwedin gerichtet sein. Annika Falkengren ist das gewohnt, weil sie weiß, dass das Interesse nicht einer „Quotenfrau“ gilt. Als die Absolventin der Universität Stockholm 2005 Chefin der SEB-Bank wurde, war sie die erste Frau an der Spitze eines Unternehmens der konservativen Industriedynastie des Wallenberg-Clans. So weit kommt man nicht mit Lächeln und Chic, sondern Leistung. Auch wenn die 49-Jährige in den bisher auf Aktionärsseite rein männlichen Aufsichtsrat einen neuen Stil bringt.

Falkengren, die 1987 als Trainee bei Schwedens traditionsreicher SEB-Bank startete, lässt sich, wie das in Schweden üblich ist, als Annika titulieren. Wer glaubt, dass sie deshalb locker ist, täuscht sich. Falkengren wurde nicht umsonst als „Europas härteste Bankerin“ bezeichnet. „Ich glaube an Teamarbeit, aber nicht an kollektive Verantwortung“, sagt sie. „Sie denkt so schnell wie sie redet“, sagt man über Schwedens mächtigste Managerin und bescheinigt ihr brennenden Ehrgeiz. Sie sieht das so: „Da ich bis 40 keine Familie hatte, konnte ich mich auf die Karriere konzentrieren.“ Dann heiratete sie doch und bekam eine Tochter – knapp bevor sie Vorstandschefin der SEB wurde. Um das Baby kümmerte sich ihr Mann.

Ans Aufhören dachte sie bisher nur einmal: Als sie in der Finanzkrise auf ihren Bonus verzichtete, sich aber insgeheim eine erkleckliche Lohnerhöhung aushandelte, hagelte es scharfe Kritik. Da habe sie ernsthaft über Rücktritt nachgedacht, sagt sie. Inzwischen ist alles wieder eitel Wonne: SEB verfünffachte 2010 den Gewinn.

Bei VW soll Falkengren, die nichts von Frauenquoten hält, auch schwedische Interessen wahrnehmen. gam

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2011)