Vom weitverbreiteten Phänomen, die Wohnung zu putzen, bevor die Reinigungskraft kommt.
Es wäre an der Zeit, fanden wir, uns auch eine Putzfrau zu nehmen. Schuld war die penetrante Schwärmerei der Freunde, die ihre jeweilige Putzkraft ständig wärmstens empfehlen. Sicher, meinte Freundin R., sie und ihre Putzfrau hatten keinen so guten Start. Beim ersten Mal ging diese wieder unverrichteter Dinge, weil sie mit der vorhandenen Putzmittelkollektion unzufrieden war. R. investierte 90 Euro, die Putzfrau konnte zur Rückkehr überredet und dank des auf den neusten Stand gebrachten Putz-Equipments zufriedengestellt werden. Also fast. Denn wie sie anmerkte, sei es schon sehr staubig in R.s Wohnung. R. war das „echt unangenehm“, seither wischt und kehrt sie am Tag vor dem Putzfrauenbesuch, damit „es nicht so ausschaut“, wenn die Putzfrau kommt.
Putzen für die Putzfrau also. Ein Phänomen, das recht verbreitet scheint. Auch Freundin C. räumt vor jedem Besuch der Reinigungskraft auf, damit die es „nicht so stressig“ hat. Und ja, da war dieser Zwischenfall, als die Putzfrau den Stapel an Plastikflaschen nicht als das erkannte, was er war – eine gar nicht so billige, aus Recyclingflaschen hergestellte Wohnzimmerlampe nämlich – und diesen entsorgte. Aber sonst sei die Putzhilfe „klasse“, saugt sie doch sogar hinter den Möbeln, wo man gar nicht so leicht hinkommt. Den Hinweis, dass dies wohl Teil ihrer Job Description ist, überhört C. gerne. Auch Freund J. empfiehlt seine Putzkraft, wiewohl er hofft, dass sie – die nebenbei studiert – später nicht Lehrerin wird, weil „sie schon sehr streng ist“. Ein wenig unwohl ist ihm schon, wenn sie bei ihm daheim ist. Da geht er lieber spazieren, bis sie wieder weg ist. Und wir? Putzen trotz dieser vielversprechenden Aussichten vorerst weiterhin selbst.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2011)