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Onlinehandel: Frischer Wind im digitalen Schuhregal

(c) EPA (Waltraud Grubitzsch)
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Amazon startet mit Javari einen eigenen Shop für Schuhe und Taschen und greift so Zalando & Co. an. Javari wird wie ein eigenes Start-up auftreten. Das rasante Wachstum kam dem Internetriesen zuletzt aber teuer.

Berlin/Wien/Cim. Javari – so heißt der Fluss zwischen Peru und Brasilien, der in den Amazonas mündet. Der neue Onlineshop soll es seinem Namensgeber gleichtun, Amazon aber mit Umsatz statt frischem Wasser versorgen.

Der Internetriese gründet mit Javari einen neuen digitalen Shop für Schuhe und Taschen. Eigene Spartenshops auf Amazon sind nicht neu, aber Javari wird wie ein eigenes Start-up auftreten, an Amazon erinnert auf den ersten Blick nichts. Javari sei bewusst von der Amazon-Plattform abgekoppelt, um ein spezialisiertes Angebot zu etablieren, sagt Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber.

Die Schuhe auf Amazon bleiben im Angebot. Wer bei Amazon registriert ist, kann sich mit seinen Daten auch auf Javari einloggen. In Großbritannien und Frankreich betreibt Amazon bereits Shops unter diesem Namen. Amazon greift damit große Player am Online-Schuhmarkt an, vor allem den Branchenprimus im deutschsprachigen Raum, Zalando. Der buhlt selbst gerade mit einer massiven Werbeoffensive um neue Kunden. Auch bei der deutschen Otto-Gruppe darf man die Schuh- und Taschen-Offensive von Amazon als Angriff werten, schließlich ist der Versandriese nach wie vor die Nummer eins beim Onlinehandel mit Mode und Accessoires.

Ein Geschäft, das stetig zulegt. Auf Amazon.com wird längst mit Schuhen gehandelt, seit 2009 gehört auch der Online-Schuhhändler Zappos zu dem Internetriesen. Seriöse Zahlen über den gesamten Schuhmarkt im Netz gibt es nicht. Branchenkenner attestieren ihm aber noch großes Potenzial; auch die hohen Margen bei Schuhen und Taschen dürften Amazon reizen. Mit Javari kommt neuer Schwung in das Segment.

Gegenüber der Konkurrenz will der Neuling mit vorerst 8500 Modellen und 180 Marken, einer Lieferzeit von laut Werbung nur einem Tag und einem Jahr Rückgaberecht auf ungetragene Schuhe punkten.

 

Das aggressive Wachstum kostet

Der neue Shop passt in die aggressive Wachstumspolitik von Amazon. Der Konzern hat sich vom digitalen Buchhändler längst zum weltgrößten Internethändler gemausert und gilt angesichts des rasanten Wachstums als Musterknabe der Branche. Zuletzt kam der Expansionskurs Amazon aber teuer: Die Gewinne im ersten Quartal sind um ein Drittel geschrumpft. Zu hoch waren die Kosten für den Geschäftsausbau.

Der Umsatz ist aber allein in den ersten drei Monaten um 38 Prozent auf 9,9 Mrd. Dollar gestiegen. Ähnlich soll das Wachstum in den kommenden Monaten weitergehen. Analysten warnen, dass sich Amazon angesichts der vielen Baustellen, mit deren Hilfe das Wachstum erreicht werden soll, aber verzetteln könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2011)