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Affäre: Sony kämpft mit zweitem Datenklau

(c) REUTERS (KIM KYUNG-HOON)
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Der japanische Elektronikkonzern Sony wird zum zweiten Mal innerhalb nur einer Woche Ziel eines Angriffs von Hackern. Es sind potenziell mehr als hundert Millionen Kunden weltweit von den Datenklaus betroffen.

Wien/Ag./Nst. Erst vergangenen Sonntag hatte sich Sonys Vizechef Kazuo Hirai für den Datenklau von vergangener Woche entschuldigt. Diesmal wird sich Hirai wohl wieder, vielleicht etwas tiefer verbeugen müssen: Denn, wie am gestrigen Dienstag bekannt wurde, haben sich Hacker erneut Zugang zu Daten von Sony verschafft. Diesmal ist das Spiele-Angebot von „Sony Online Entertainment“ betroffen. Hier können Spiele über das Internet gespielt werden, das System wurde bereits Mitte April gehackt, der Vorfall allerdings erst am Montag bemerkt worden.

Es sei möglich, dass die Hacker in den Besitz von Passwörtern, Namen, Post- und E-Mail-Adressen wie auch Kontonummern und anderer Daten gelangt seien. 24,6 Millionen Kunden zählt Sony zum Kreis der potenziellen Opfer. 77 Millionen waren es in der Vorwoche gewesen. Auch Nutzer aus Österreich, Deutschland, Spanien und den Niederlanden dürften sich darunter befinden. Hier könnten rund 10.700 Zahlungsprotokolle sowie weitere 12.700 Kredit- oder Debitkartennummern von Kunden außerhalb der USA entwendet worden sein. Bei diesen Datensätzen würde es sich allerdings um Informationen aus einer älteren Datenbank handeln. „Es sind Hacker am Werk. Wir wissen nicht, wo sie als nächstes zuschlagen werden“, sagt eine Sony-Sprecherin. Ob weitere Daten in fremde Hände gelangt seien, konnte Sony nicht ausschließen.

 

Konzernchef unter Beschuss

Schon in der Vorwoche hatte der japanische Elektronikkonzern – allerdings mit mehrtägiger Verzögerung – zugegeben, ein Opfer von Datendieben geworden zu sein. Betroffen war das Netzwerk von Playstation – dieses war zwischenzeitlich abgeschaltet worden. In der Zwischenzeit hat das Unternehmen an Sicherheitsmaßnahmen gearbeitet. Aktuell ausgeschaltet wurde nun auch der betroffene Onlinedienst.

Für Sonys Vizechef Hirai, der unter anderem den Playstation-Bereich und die Netzwerkgeschäfte verantwortet, ist der Skandal freilich alles andere als hilfreich. Erstens, weil Hirai erst im April zum Vizepräsidenten des Unternehmens avanciert war. Zweitens, weil der Japaner als Kronprinz des 69-jährigen Konzernchefs Howard Stringer gilt. Dessen Vertrag wurde erst unlängst verlängert, wie lange Stringer im Amt bleibt, ist dennoch unklar. Mutmaßungen zufolge könnte er schon 2013 ausscheiden. Vielleicht auch früher. Schon jetzt fordern Kritiker seinen Rücktritt. Bisweilen hat sich der erste Nichtjapaner an der Spitze des Elektronikkonzerns noch nicht öffentlich zu der Datenaffäre geäußert, weshalb ihm schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen wird.

Sonys Datenleck könnte sich übrigens zum größten Datenskandal der Geschichte auswachsen. Immerhin sind in Summe etwas mehr als hundert Millionen Kunden betroffen.

 

Kunden: Rechtzeitig reklamieren

Bei den in Österreich zuständigen Kreditkartenfirmen PayLife und Card Complete sind noch keine Nachrichten von betroffenen Karteninhabern eingelangt. Card-Complete-Sprecher Georg Huemer gibt zu bedenken, dass Kunden die Möglichkeit hätten, innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt der Rechnung zu reklamieren. Das Geld werde dann von der Kreditkartenfirma zurück gebucht.

Ein internes System sorge zudem dafür, dass merkwürdig anmutende Transaktionen gestoppt werden. In diesem Fall wendet sich die Kartenfirma an den Betroffenen und fragt nach, ob der Kunde oder ein Fremder eine Zahlung vorgenommen hat.

Wurde der Kunde betrogen, wird die Karte gesperrt. Betrugsfälle mit Kreditkarten sind nicht neu, es gibt sie laufend. Bei Visa Europe haben sich diese im vergangenen Jahr auf 0,049 Prozent des Umsatzes belaufen.

Auf einen Blick

Sony musste binnen einer Woche zweimal zugeben, von Hackern angegriffen worden zu sein. Diesmal sind 25 Millionen Kunden des Onlinespiele-Dienstes Sony Online Entertainment betroffen. Vergangene Woche waren es 77Millionen Nutzer der PlayStation-Netzwerke gewesen. Sony-Chef Howard Stringer hat sich bislang noch nicht zu den Vorfällen geäußert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2011)