Hilfe, freier Welthandel!

Die ideenlosen EU-Agrarier brauchen nicht neue Schutzklauseln, sondern mehr befruchtenden Wettbewerb.

Die ÖVP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger hat am Dienstag vor dem kommenden EU-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten gewarnt, weil dieses die EU-Landwirtschaft bis zu sieben Mrd. Euro „kosten“ werde – und „entsprechende Schutzklauseln“ verlangt.

Ein interessanter Standpunkt für die Vertreterin einer staatstragenden Partei eines Landes, das 38,4 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit Exporten erwirtschaftet, also selbst extrem vom Freihandel profitiert. Und dem „Schutzklauseln“ gegen seine Produkte in den wichtigsten Exportmärkten sehr schnell sehr ernste wirtschaftliche Probleme bereiten würden.

Zumal im Export nicht zuletzt auch Teile jener riesigen Summen verdient werden, mit denen die EU ihr aberwitziges Agrarsystem permanent vor dem Kollaps bewahren muss. Einschließlich der Exportsubventionen, mit denen die EU-Agrarier sich selbst die Weltmarktpreise kaputt machen.

Im Ernst: Die EU-Agrarwirtschaft braucht nicht mehr „Schutzklauseln“, sondern mehr Produktivität und mehr Wettbewerbsfähigkeit. So wie sich das jede andere Branche auch erkämpfen muss. Mit der aktuellen fantasie- und ideenlosen Agrarfunktionärskaste, der außer Uraltprotektionismus nichts einfällt, wird das aber wohl nicht gehen.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2011)

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