Der internationale Studententag ist wieder ein Anlass für Proteste. Zuletzt schien der Demonstrationswille schwächer geworden zu sein.
Es gibt für alles einen internationalen Tag, so auch für StudentInnen. Der 17.November ist also so ein Internationaler Studententag und der Protest-Fantasie sind jedenfalls in Österreich keine Grenzen gesetzt. Von einer konventionellen Demonstration in Wien vor dem Haus der Industriellenvereinigung bis zur "Professorenversteigerung" in Graz und zum "Wettpaddeln" im Uni-Teich um einen Master-Studienplatz in Linz.
Vergangene Woche aber haben die Studenten in Wien eine ganz große Chance, der Besetzungs-Bewegung im Audimax an der Universität wieder mehr Energie zuzuführen, offenbar versäumt: Eigentlich wäre während der Sondersitzung des Nationalrates zur Bildungs- und Universitätsfragen am Donnerstag eine Massendemonstration vor dem Parlament für die Dauer der Sitzung zu erwarten gewesen. Doch da war nichts. Nur die SP-Studenten waren mit einer kleinen Aktion präsent. Bei der Demonstration der Metaller waren sie auch nicht, die Massen der Studenten. Dabei hatte einer ihrer Basis-Vertreter noch behauptet, er können binnen kürzester Zeit per SMS 10.000 Studenten auf die Strasse bringen. Jetzt schon ausgetwittert? Jedenfalls ging es im Plenarsaal erheblich lauter zu als vor dem Hohen Haus.
In der Uni-Debatte des Nationalrats wetterten Vertreter von FPÖ und BZÖ aufgeregt gegen Studenten-Protestierer als "linkslinke Anarchisten" (BZÖ-Chef Buchner) und "radikal-anarchistische Besetzer" (FP-Generalsekretär Harald Vilimsky). Glaubt man ihnen, dann kann es sich um keine sehr große Gruppe handeln, denn sie demonstrierten nicht vor dem Parlament - und auch nicht auf den Besucherrängen im Saal. Hätten sich radikale Anarchisten die Chance entgehen lassen oder sich derart gut benommen wie die StudentInnen auf der Galerie am Nachmittag?
Diese jedenfalls bekamen Eigenartiges zu hören. Da rief Harald Vilimsky lautstark in Erinnerung, dass ja seine FPÖ im September 2008 in Zusammenarbeit mit SPÖ und Grünen die Abschaffung der Studiengebühren erst ermöglicht habe. Vilimsky vergaß zu erwähnen, dass eben diese FPÖ in der Zeit der schwarz-blauen Koalition mit der ÖVP die Studiengebühren eingeführt hat. Das BZÖ gibt es erst seit 2005. Einführen und abschaffen - und auf beides stolz gewesen sein, das kann in den Turbulenzen von Parteispaltungen schon vorkommen.
Für das BZÖ wiederum erregte sich Stefan Petzner während der Debatte in Zwischenrufen und in seinem Beitrag ganz außerordentlich darüber, dass die Besetzung des Audimax und die Studentenproteste die Fleißigen behinderten. Das verlangte geradezu einen Reality-Check bei ihm. Ob er, Petzner, denn sein Studium beendet habe? Nein, er habe es 2004 abgebrochen, sei aber damals in der Mindestzeit gelegen. Ob er es zu beenden gedenke? Petzner in den Gängen des Plenarsaals: Er wisse nicht so recht, seine Freunde rieten ihm schon dazu, aber es seit halt sehr zeitaufwändig. Ob er denn seine Diplomarbeit über Udo Jürgens schon weitgehend fertig habe? Nicht wirklich.
Die Vertreter des BZÖ gaben sich bei dieser Debatte jedenfalls so wie der Historiker William M.Johnston jüngst in seinem Buch "Der Österreichische Mensch - Kulturgeschichte der Eigenart Österreichs" den sogenannten "Wallungsmenschen" beschreibt: menschen, die sich leicht aufregen, heftig sprechen und sich bei einem Gespräch immer durchsetzen wollen. Solchen Typen sei er nur in Österreich begegnet.