Man muss schon Verständnis dafür aufbringen, dass in Kärnten dieser Tage kaum jemand mehr den Durchblick hat.
Man muss schon Verständnis dafür aufbringen, dass in Kärnten dieser Tage kaum jemand mehr den Durchblick hat. Und nicht nur wegen des dichten Nebels im Klagenfurter Becken.
Einerseits hat sich seit der Notverstaatlichung der Hypo Alpe Adria am Image des Landes als Heimat der "Deppen der Nation" nichts geändert. Andrerseits übernimmt das Bundesland gerade jetzt im Jänner 2010 wichtige bundespolitische Funktionen wie den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz und den Vorsitz in der Zweiten Kammer des Parlaments. Wie soll das bei dem Verlust jeglicher Glaubwürdigkeit und Autorität der Kärntner Politiker funktionieren?
Einerseits wird in diesen Tagen in Klagenfurt in vielen Gesprächen bestätigt: "Die Stimmung ist gekippt." Viele hätten endlich die ganze Dimension des Finanzdesasters des Landes begriffen und beklagen jetzt Aktionen wie die Verteilung des Jugend-Tausenders durch Dörfler & Co, wobei sie nicht einmal mehr wissen, welcher Partei diese Politiker im Moment angehören. Andrerseits wissen sie keine Antwort darauf, warum man trotz genügender Alarmsignale seit 2007 erst im März 2009 Dörfler & Co mit der satten Mehrheit von mehr als 45 Prozent ausgestattet hat. Einerseits beknirschen sich viele darob, andrerseits zeigen sie keine große Neigung zur Korrektur, sprich zur sofortigen Neuwahl.
Einerseits wissen die Kärntner, dass sich das BZÖ seit 16. Dezember 2009 mit der FPÖ Heinz Christian Straches verschmelzen möchte. Andrerseits haben sie am 17. Dezember von Landeshauptmann Dörfler in der Regionalzeitung - als Postwurfsendung an alle Haushalte - erfahren, dass er "die Kraft" für seine Arbeit "aus dem Vertrauen, das man dem BZÖ und mir am 1.März geschenkt hat", schöpft. Allein, am 17. Dezember war das BZÖ nicht mehr das, was es am 1.März war. Also woher kommt die Kraft jetzt? In dem Interview auf einer Doppelseite mit gezählten neun Fotos von Dörfler erfuhren die Haushalte auch noch anderes, was so gar nicht mit den Ereignissen rund um die Hypo am 14. Dezember zusammenpasste: Er, Dörfler, war und sei kein "Blender" und das Land habe einen gesunden Grundoptimismus. Kein Wort von den Problemen der Hypo und der drohenden Insolvenz. So viel zur Selbstbeschreibung, kein Blender zu sein - drei Tage nachdem Kärnten die Bank verloren hat.
Das Dilemma mit der Gleichzeitigkeit erhöht die Verwirrung in Kärntnen auch in einem anderen Fall. Einerseits wusste am vergangenen Sonntag Uwe Scheuch in einem großen Interview mit der "Kronen Zeitung" offenbar nichts vom ebenso großem Interview Claudia Haiders in der "Kleinen Zeitung". Er wisse nicht, so Scheuch, ob sich Jörg Haiders Frau zu Wort melden werde. Andrerseits hat Claudia Haider am gleichen Tag genau dies getan - mit der Forderung nach einer Urabstimmung der BZÖ-Mitglieder über die von Scheuch verordnete Fusion mit der FPÖ in Kärnten. Daraufhin murmelte Scheuch wiederum etwas von "privater Meinung".
In Kärnten kursiert indessen eine Erklärung für die "Entfremdung" der Familien Haider und Scheuch: Jörg Haider habe privat eine Haftung für einen Fußballverein übernommen. Nach seinem Tod habe Claudia Haider sicher stellen wollen, dass das BZÖ diese Haftung - die Rede ist von knapp 300.000 Euro - übernehme, was Scheuch ziemlich schroff abgelehnt haben soll.