Wenn Wolfgang Schüssel etwas "nie vergessen" wird, dann sollte man
aufhorchen, denn an so manches hatte er sich im Laufe seiner...
Wenn Wolfgang Schüssel etwas "nie vergessen" wird, dann sollte man aufhorchen, denn an so manches hatte er sich im Laufe seiner Karriere ja nicht mehr erinnern wollen. In der ZIB 2 vom 4. Februar ließ Schüssel im Duett-Interview mit Susanne Riess-Passer wissen: "Ich werde nie vergessen" wie Jörg Haider im privaten Gespräch einmal gesagt habe, mit "wem er nicht zusammenarbeiten, selbst nicht zusammenarbeiten könne". Haider habe Heinz Christian Strache, Andreas Mölzer und "die Gebrüder Scheuch" genannt.
Was sich wie ein Versprecher Schüssels anhörte, stellte sich bei Nachfragen in den Reihen des jetzigen BZÖ als mehr oder weniger richtig heraus. Weniger deshalb, weil Schüssel als Begründung für den Nicht-Zusammenarbeitswillen Haiders mit den Scheuchs deren Verhalten in Knittelfeld anführte. Das aber war 2002. Danach arbeitete Haider aber noch sechs Jahre mit den Scheuchs zusammen.
Bestätigt wird allerdings im heutigen BZÖ, dass Haider die Scheuchs "immer für gefährlich", machtgierig, ideologisch zu weit rechts-national und nach 2005 für zu FP-lastig gehalten habe. Haider sei immer skeptisch gewesen. Wirklich vorgehen gegen Uwe und Kurt Scheuch habe Haider aber nicht können, weil der Oberkärntner Bezirk die stärkste BZÖ-Organisation gewesen sei und das BZÖ diesen Bezirk benötigt habe. Nach der Nationalratswahl 2006 habe es im BZÖ ein Gerangel um den Klubobmann gegeben, den Peter Westenthaler nicht hergeben, Uwe Scheuch aber erobern wollte. Haider habe sich damals auf Seiten Westenthalers geschlagen und Scheuch in die Kärntner Landesregierung geholt, um ihn dort besser kontrollieren zu können.
Allerdings hätte Haider auch, so ist im BZÖ zu erfahren, geplant, nach der Landtagswahl im März 2009 einen "Personalwechsel" in Kärnten vorzunehmen und sowohl Gerhard Dörfler (jetzt Landeshauptmann) als auch die Scheuchs auszutauschen. Warum Haider dies nicht schon früher getan habe, war er doch seine ganze politische Karriere lang nie zimperlich was die Vertreibung von Weggefährten anlangte? Im BZÖ dazu: Oberkärnten sei wichtig gewesen und der Personalwechsel ("Sagen wir das einmal so") nach der Landtagswahl geplant. Haider sei, so heißt es, immer wieder davor gewarnt worden, dass "die Scheuchs gefährlich" seien. Er habe deshalb auch Aufpasser in Kärnten installiert.
Also stimmt es vielleicht, dass Haider Schüssel in dem unvergessenen Gespräch sagte, er kann mit den Scheuchs nicht zusammen arbeiten. In der Realität musste er aber. Die - vielleicht im Lichte der "Heimkehr" Uwe Scheuchs zur FPÖ gefärbte - Sicht im BZÖ ergibt zusammen mit der Erinnerung Schüssels aber ein ganz anderes Bild als jenes, dass Haider und Uwe Scheuch der Öffentlichkeit jahrelang geboten haben.