Irgendwie wirkte Wiens Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag in der
ZIB 2 im Interview mit Ingrid Turnher wie Bruno Kreisky gegen Ende
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Irgendwie wirkte Wiens Bürgermeister Michael Häupl am Dienstag in der ZIB 2 im Interview mit Ingrid Turnher wie Bruno Kreisky gegen Ende seiner Regierungszeit: Grantig und grantelnd, zurechtweisend, ungeduldig, leicht angewidert. Man sah ihm an, dass ihn die ganze Fragerei zum Wert und Unwert der eben abgeschlossenen Volksbefragung in Wien gehörig auf die Nerven ging. Warum er sich bei so viel Unwillen überhaupt ins TV-Studio gesetzt hat, bleibt ein Rätsel. Gegen Häupl als personifizierter Missmut bei diesem ORF-Interview waren die "mieselsüchtigen Koffer" (© Häupl) in der ÖVP vor Jahren ja geradezu Frohnaturen.
Seine "Hören'S doch auf"-Forderung an Turnher Dienstagnacht war von bester Kreisky-Qualität. Auch das einfach so hingeworfene Pseudo-Argument für die 26 Prozent der Wiener Bevölkerung, die sich an der Volksbefragung teilgenommen haben, erinnerte an Kreisky. Dieser hatte es mit Fakten auch nicht immer so genau genommen, wenn es um Politisches ging. Also sprach Häupl nachdem er Turnher zum Aufhören aufgefordert und irgendetwas von "lächerlich machen" gebrummt hat: Der amerikanische Präsident sei auch nur von 20 Prozent des Wahlvolkes gewählt worden. Der unbefangene Zuseher konnte glauben, dass nur 20 Prozent der Amerikaner Barack Obama gewählt haben, während satte 26 Prozent der Wiener sich befragen haben lassen. Die Fakten sind anders: Bei einer Wahlbeteiligung von 66,6 Prozent 2008 sind 53 Prozent der Stimmen auf Obama entfallen. Bei noch so viel Fantasie ergibt das keine 20 Prozent. Wenn Häupl die 33, 4 Prozent Nichtwähler herangezogen hat, dann hätte er auch die 74 Prozent Befragungs-Verweigerer in Wien einrechnen müssen. Wie man es dreht und wendet, der Hinweis, nur 20 Prozent der Amerikaner hätten ihren Präsidenten gewählt, war entweder ein mehr als verunglücktes Rechenkunststück oder eine bewusste Täuschung der Zuseher. Aber wahrscheinlich ist das Häupl ebenso egal wie der Zeitpunkt, ab dem die U-Bahn in Wien ihren 24-Stunden-Betrieb am Wochenende aufnehmen wird. Häupl in der ZIB: "Das ist mir völlig wurscht".