Der Pianist kann genauso für John Cage schwärmen wie für Mozart und Leonard Cohen.
„Ich freue mich auf meine Rückkehr nach Wien“, sagt Markus Hinterhäuser. Als Sohn eines deutschen Romanistikprofessors und einer Italienerin 1959 in La Spezia (Italien) geboren, hat er seine Jugend in Wien-Döbling verbracht und das Gymnasium in der Billrothstraße besucht. Nach der Matura studierte er in Wien und Salzburg, bei Elisabeth Leonskaja und Oleg Maisenberg. Lange konzentrierte er sich auf das klassische und romantische Repertoire, wagte sich erst spät an neue E-Musik, dann aber mit Verve: Er kann von John Cage und Morton Feldman genauso überzeugend schwärmen wie von Mozart und Beethoven – und von Leonard Cohen, dessen Fan er seit Jahrzehnten ist.
1993 wurde er von den Salzburger Festspielen mit der Etablierung einer neuen Neue-Musik-Reihe namens „Zeitfluss“ betraut. Er leitete sie mit Tomas Zierhofer-Kin – heute Intendant des niederösterreichischen Donaufestivals – bis 2001, brachte u.a. die „Einstürzenden Neubauten“ nach Salzburg. Ein ähnliches Konzept – mit noch mehr Akzent auf außereuropäischer Musik – realisierten die beiden dann von 2004 bis 2006 bei der „zeit-zone“ der Wiener Festwochen.
2005 wurde Hinterhäuser als Konzertchef der Salzburger Festspiele ab Herbst 2006 designiert, sein Programm wurde von Kritikern aller Ausrichtungen gelobt. So wurde er auch öfters als möglicher Intendant für Salzburg ins Spiel gebracht. Doch nach der Bestellung Alexander Pereiras – und der Nachricht, dass er als Konzertchef künftig nicht im Direktorium sitzen werde – zog er die Konsequenzen und gab bekannt, „unter den ihm angebotenen Rahmenbedingungen den Festspielen nach 2011 als Konzertchef nicht mehr zur Verfügung zu stehen“. Es wurde freilich kein Abschied im Zorn: Nach dem vorzeitigen Abgang von Jürgen Flimm übernahm er die Intendanz für 2011 und hat vor ein paar Tagen erst ein spannendes John-Cage-Projekt für das Eröffnungsfest in Salzburg vorgestellt. tk
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2011)