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Österreicher wollen Beweis-Video sehen

Blitz-Umfrage: 61 Prozent der Österreicher kritisieren die Todesumstände Bin Ladens - auch wenn eine überwältigende Mehrheit über dessen Ableben erleichtert ist. Theologen empören sich über das Verhalten der USA.

Die große Mehrheit der Österreicher ist "erleichtert und findet es gut", dass der Terrorpate Osama bin Laden tot ist. Gleichzeitig teilten aber 61 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des Forschungs-und Beratungsinstituts Oekonsult die Kritik von Völkerrechtlern an der Tötung des al-Qaida-Chefs bei der US-Kommandoaktion in Pakistan. Sie denken, dass Bin Laden nicht auf fremdem Territorium hätte gezielt getötet werden dürfen. Eine Festnahme und Überantwortung an ein ordentliches Gericht wäre von 62 Prozent begrüßt worden.

"Ganz sicher überwiegt die weitreichende Genugtuung und Erleichterung, dass der Drahtzieher der Terroranschläge des 11. September nicht mehr lebt. Die Umstände seines Todes stellen nicht alle zufrieden", betonte Oekonsult-Chef Joshi M.A. Schillhab am Donnerstag bei der Präsentation der Studie. 86 Prozent der Befragten sagten, sie seien "erleichtert und fänden es gut", dass Osama bin Laden nicht mehr lebt.

40 Prozent zweifeln US-Version an

Zweifel bleiben: 40 Prozent äußerten gröbere Zweifel an der US-Version, wonach Osama bin Laden jahrelang in einer Villa im pakistanischen Abbottabad gewohnt hatte und dort getötet wurde. Und 69 Prozent glauben der Darstellung nicht, wonach 80 schwer bewaffnete Elitesoldaten die Gegenwehr des unbewaffneten Osama bin Laden nicht überwinden konnten, ohne diesen zu töten. 94 Prozent der Umfrageteilnehmer verlangen daher die Veröffentlichung der Videos aus der Live-Übertragung der gesamten Kommandoaktion samt Bin Ladens Seebestattung. Die Weltöffentlichkeit habe ein Recht auf Information, fordern die Österreicher.

Österreicher fürchten Rache

Nun droht nach Ansicht der Österreicher blutige Vergeltung durch fundamental-islamistische Extremisten. 80 Prozent zeigten sich von einer Erhöhung der Terrorgefahr für die westliche Welt überzeugt. Nach der Tötung von Osama bin Laden und den offensichtlichen Tötungsangriffen gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi werde die Spirale der Gewalt von Terrorangriffen, dem Kampf gegen diesen Terror und dem dadurch motivierten Revanche-Terror an Heftigkeit und Unerbittlichkeit zunehmen, glauben 97 Prozent der Befragten. Gleichzeitig begrüßen aber drei Viertel der Umfrageteilnehmer, dass Gaddafi im Visier des NATO-Militäreinsatzes steht. Nur 8 Prozent äußerten massive Bedenken.

Bin Laden ist das Top-Thema

Die Tötung des al-Qaida-Chefs ist das unbestrittene Top Thema in Österreich. 95 Prozent gaben an, an den Medienberichten zum Tod der Kommandoaktion in Pakistan und den Meldungen zum Tod des Terrorpaten sehr interessiert zu sein. Die Blitzumfrage fand vom 2 bis 4. Mai 2011 statt. Dafür wurden österreichweit 1.009 Personen der heimischen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren befragt.

Auch unter österreichischen Theologen regt sich Kritik: Die Aktion heble das Völkerrecht aus, sagt die Wiener Sozialethikerin Ingeborg Gabriel. Der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver verortet hinter dem Tötungsakt ein "archaisches Rache-Vergeltungs-Denken". Kritik übt Palaver auch an der Aussage Präsident Barack Obamas, durch die Aktion sei der Gerechtigkeit Genüge getan worden. Daraus spreche eine "uralte Gerechtigkeitsvorstellung", die "an die griechische Nemesis, die Göttin der Rache erinnert".

(Ag.)